Die Mafia und Flüchtlinge


Oft kam in den vergangenen Wochen die Frage auf, inwiefern die Mafia an den Flüchtlingen verdient. Unzweifelhaft ist, dass die immensen Gelder, die an Schleuser bezahlt werden, in die Organisierte Kriminalität fließen. Eine Frage, die im Übrigen bisher fast völlig unbeachtet geblieben ist.

Das ist an sich unverständlich, denn wenn man eine kurze Hochrechnung macht, zeigt sich, um welche Geldmengen es sich dreht. Die EU-Kommission rechnet laut ihrer Wirtschaftsprognose mit drei Millionen Flüchtlingen, die bis 2017 nach Europa kommen werden. Geht man von einem durchschnittlichen Schleuserlohn von 3000 Euro aus, was einer eher konservativen Schätzung entspricht, hieße dies einen Umsatz der Schleuser von neun Milliarden Euro. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR spricht wegen des unzureichenden Vorgehens gegen die Schleuserbanden von einem „Geschäft mit geringem Risiko und hohem Gewinn“: Es verhelfe den Schleusern durch Geldwäsche „zu weiteren kriminellen Aktivitäten und zu wirtschaftlicher, gesellschaftlicher oder gar politischer Macht“. Seit Jahren trägt Europa mit einer restriktiven Flüchtlingspolitik dazu bei, dass kriminelle Gruppen sich bereichern können. Dass auch die italienischen Mafiagruppen im Schleusergeschäft aktiv sind, dafür gibt es bisher kaum Hinweise. Möglicherweise wirken sie unterstützend. Sind die Flüchtlinge aber erst einmal in Italien angekommen, sind sie oft leichte Beute für die Mafia; sie werden als billige bis gar nicht bezahlte Erntearbeiter ausgenützt oder Frauen zur Prostitution gezwungen. Auch hier spielt die europäische Flüchtlingspolitik eine Rolle: Denn Menschen, die sich ohne Papiere im Land aufhalten, werden kaum zur Polizei gehen und Ausbeutung anzeigen.

Ein Text schildert das Schicksal eines Kameruners:
http://www.beobachternews.de/2015/10/24/nach-der-rettung-in-den-faengen-der-mafia/