21. März – Tag zum Gedenken der unschuldigen Opfer der Mafia


Der erste Frühlingstag ist für das Antimafia-Netz der Tag zum Gedenken der unschuldigen Opfer der Mafia. Seit 1996 treffen sich Vereine, Schule und Bürger um sich mit den Verwandten der Opfer zu verbrüdern und um in der Erinnerung an sie das Engagement für Legalität und Gerechtigkeit zu erneuern.

WAS IST DER TAG

Der Tag zum Gedenken wird von Libera und der Initiative Avviso Pubblico organisiert. Er besteht aus einer Demo mit Umzug durch die Straßen der jeweiligen Gaststadt und bietet dazu zahlreiche Begegnungen und thematische Seminare. Der Höhepunkt des Tages ist die Verlesung der Namen der unschuldigen Opfer der Mafia, die unter anderem von ihren Verwandten ausgeführt wird. Es ist eine Gelegenheit, um sich mit alten und neuen Aktivist*Innen und Sympathisant*Innen (wieder) zu treffen, um das Engagement zu erneuern und das Netzwerk zu verstärken.

DAS GEDENKEN UND DIE UNSCHULDIGEN OPFER DER MAFIA

Das Gedenken der unschuldigen Opfer der Mafia und ihren kulturellen, sozialen und politischen Beitrag geht bis zum Jahr 1893 zurück, als der Banker Notarbartolo von der Mafia ermordet wurde. Seitdem ist die Zahl der unschuldigen Opfer der Gewalt der Mafia auf 1120 angewachsen. Die schlimmste Zeit war zwischen den Jahren 1982 und 1994 gewesen, als die Mafia allein 497 Personen ermordete.

1990 hat der italienische Gesetzgeber vorgesehen, dass die Opfer der Mafia und ihre Verwandten zu der Kategorie der „geschützten“ Opfer gehören (wie die Opfer der Terrorismus und des Krieges). Es muss betont werden, dass es den Opfern der Mafia keineswegs immer gelingt, die vorgeschriebene Vergünstigung zu genießen. Als Beispiel dafür gilt, dass die vor dem Jahr 1961 Ermordeten nicht als Opfer der Mafia anerkannt werden können. Es heißt, der Gesetzgeber habe festgelegt, dass die Mafia vor jenem Jahr niemanden ermordet habe. Ein weiteres Problem: falls der Mafia-Erschwerungsgrund vom Gericht in dem entsprechenden Mord- oder Totschlagsprozess nicht ermittelt wird, kann der geschützte Status nicht zugebilligt werden. Das ist der Fall etwa bei Lea Garofalo,die 2010 vom ihren mafiösen Mann ermordet wurde, und ihrer Tochter Lea. Libera schließt diese zu Unrecht ausgeschlossenen Fälle auf ihrer Liste der Namen mit ein. Die Liste erinnert auch an die Opfer des Anschlags in Bologna, in Ustica und der „Uno bianca“ Massaker, bei denen die Mafia beteiligt war.

ENGAGEMENT

Das Engagement für eine gerechte Gesellschaft wird seit Jahren von Libera, den Vereinen des Netzwerks und allen beteiligten Bürgern getragen. Die Verbreitung der Kultur der Legalität, die Bildung lokaler Gemeinschaften,  die Vergabe an die Zivilgesellschaft der von den Bossen enteigneten Güter und die Unterstützung für die dort arbeitenden Kooperativen haben Libera zur ersten italienischen „community empowerment“ Organisation gemacht.

DIE DIESJÄHRIGE VERANSTALTUNG

In diesen 20 Jahren hat der Tag in unterschiedlichen Städten als Symbol für den Kampf gegen die Mafia stattgefunden, vom Corleone bis zu Mailand, jedes Mal mit Aufmerksamkeit auf ein drängendes Thema. Dieses Jahr wird die Stadt Messina, in Sizilien, der Veranstaltung Raum geben, unter dem Motto „Ponti di memoria, Luoghi di Impegno“ – „Brücken der Erinnerung, Orte des Engagements“. Eine Aufforderung, Brücken statt Mauern zu bauen (eine öffentliche Anklage der aktuellen Politik der Schließung der Grenzen), Netze der Aufnahme und der Unterstützung für die Schwächeren zu schaffen. Die Orte des Engagements werden viele andere italienische Städte sein, von denen gleichzeitig die Botschaft der Erinnerung und des Engagements der lokalen Gemeinschaften ausgehen wird.

Eine Neuigkeit dieser Veranstaltung ist die in den sozialen Netzwerken mit den hashtag #21marzosocialday verbreitete Initiative. Sie lädt die Teilnehmer ein, ihre Eindrücke und Momente des Tages aufzunehmen. Die versammelten Videos werden danach in einem „social Movie“ veröffentlicht, um diesen Tag mit den Stimmen seiner Protagonisten zu erzählen.