Wie organisiert man erfolgreich die Antimafia-Arbeit?


Zwanzig Jahre besteht Libera, die italienische Antimafia-Organisation inzwischen – da kann man durchaus mal etwas verändern. Deswegen hat die Gruppe ein Projekt organisiert, das Anfang Dezember seinen Abschluss mit einem zweitägigen Workshop in Neapel fand. “Innovazione Libera” also Innovation Libera, soll die Grundlage für die Weiterentwicklung von “Libera Associazioni, Nomi e Numeri contro le mafie” legen. Die Leitfrage dabei war, wie man in Zukunft erfolgreich die Antimafia-Arbeit organisieren kann.

Libera ist vor allem bekannt dafür, von der Mafia beschlagnahmte Güter zu bewirten. Doch die Organisation versteht sich auch als Dachorganisation für verschiedene Antimafia-Organisationen und anderen Akteuren für zivilgesellschaftliches Engagement in Europa und darüber hinaus. Auch mafianeindanke e.V. arbeitet regelmäßig mit Mafia? Nein, Danke e.V. zusammen, zum Beispiel im Rahmen von Fachkonferenzen und europaweiten Projekten.

Libera hat im Workshop in Neapel und bei anderen Veranstaltungen zuvor anwesenden Freiwilligen gefragt, was ihre Bedürfnisse sind, und was die Organisation tun kann, um ihre Arbeit zu fördern, sie, die sie sich jeden Tag um Antimafia-Sozialarbeit kümmern, um Bewusstseinsschaffung, um rechtliche Aspekte kümmern, um Information, um beschlagnahmte Güter, Erinnerungsarbeit und viel anderes. Der Workshop nun sollte das Finale dieser Befragung bilden und in offenen, inklusiven Projekten die Schlüsse aus dem bisher Erfolgten ziehen.

Zu der Veranstaltung kamen Aktivisten aus allen Regionen Italiens, um sich über ihr Tun auszutauschen. Aber auch Vertreter von Institutionen waren beteiligt, etwa Alessandra Clemente (Stadträtin für Jugendpolitik in Neapel) und Giampiero Capasso (Direktor des italienischen Amtes für die Verwaltung und Zuteilung beschlagnahmter und eingezogener Güter der Organisierten Kriminalität). Sie freuten sich über die vielen teilnehmenden Jugendlichen.

Zudem gab es externe Beiträge, die der Debatte neue Ideen hinzugefügt haben:

Flavia Montini hat mit ihrem Kurzfilm „Wie ein Schloss“, gedreht in der Nähe von Tor Sapienza in Rom, den Fokus auf Themen wie Autonomie, Isolation am Stadtrand von Jugendlichen und deren Treffpunkte verschoben. Wie vielfältig Peripherien in anderen europäischen Ländern sind und wie anders als in Italien, wird das Thema eines daraufhin im Workshop entwickelten, zukünftigen  Projekts sein: im Rahmen eines Bildungsprogramms mit Schülern wird mafianeindanke .V. in Berlin analysieren, was „Peripherie“ dort bedeutet und wie das Leben in Randgebieten ist.

Nicht nur die Anwesenheit der Berliner Organisation sorgte für Internationalität; auch VertreterInnen von italienischen, aber im Ausland tätigen Organisationen wie „Libera International“, „Cinemovel“ und „Deina“ weiteten die Perspektive. Auch wenn sie sehr unterschiedlich sind, haben sie doch als gemeinsames Ziel, zivilgesellschaftliches Engagement in Europa zu stärken.

Die Diskussionen hatten nicht nur Legalität und Anti-Mafia zum Inhalt. Der Workshop thematisierte auch soziale Gerechtigkeit, neue zukunftsfähige Wirtschaftsformen, innovative Systeme, die Rechtsstaatlichkeit, Gemeinschaftsgüter und Bildung fördern.