Anis Amri und die (organisierte) Kriminalität


Knapp drei Monate nach dem Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt bestätigt die Autopsie des Leichnams von Anis Amri, dass dieser regelmäßig Kokain und Haschisch konsumiert und vermutlich auch am Tag des Anschlags unter Drogeneinfluss gestanden habe. Die deutschen Ermittler hatten bereits im August 2016 im Rahmen der Telefonüberwachung von Amris Drogenkonsum erfahren, wie aus einem Bericht der deutschen Sicherheitsbehörden hervorgeht. Diese verdeckte und anlassbezogene Observierung, nachdem Amri wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat als „Gefährder“ eingestuft worden war, ergab auch, dass Amri im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg mit Drogen zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes dealte. Außerdem berichtete das Dokumente über eine körperliche Auseinandersetzung Amris mit einer konkurrierenden Gruppe aus dem Drogenmilieu Anfang Juli 2016 sowie seine stärkere Einbindung in die Drogenszene Anfang August 2016. Auch im Juli 2016 wurde nach einer Messerstecherei in einer Neuköllner Bar gegen ihn ermittelt.

Die Strafakte von Amri war lang. In seiner Heimat Tunesien begann er seine kriminelle Vergangenheit mit kleinen Delikten, wie einem LKW-Diebstahl. In Italien, wo er als Flüchtling 2011 ankam, wurde er wegen Brandstiftung, Körperverletzung, Bedrohung und Diebstahl zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Diese saß er in verschiedenen Jugendhaftanstalten ab, in denen er sich langsam radikalisierte. In Deutschland bewegte er sich schnell in salafistischen Kreisen und radikalisierte sich immer mehr. Im Oktober 2016 erfuhren die Ermittler, dass Anis Amri IS-Anhänger sei und hoffe, sich dem IS in Syrien/Irak oder Libyen anschließen zu können.

Der Bericht der deutschen Sicherheitsbehörden informiert zudem über die verschiedenen Identitäten des Attentäters. Italiens Anti-Mafia-Behörden glauben, dass Amri dringende Unterstützung brauchte, darunter auch gefälschte Dokumente, eine Spezialität der neapolitanischen Camorra, die in letzter Zeit Verbindungen zu einer Reihe von Terroristen hatte, die Terroranschläge in Europa durchführen. Franco Roberti, der leitende Staatsanwalt im Kampf gegen Terrorismus und Mafia, führt aus, dass Italien nicht nur ein „Zentrum für die Herstellung von falschen Dokumenten“ sei, sondern vielmehr  Terroristen ein Unterstützungssystem (z.B. Verstecke) sowie reichliche Einnahmemöglichkeiten durch Drogen- und Waffenhandel biete.

Der Fall Amri ist ein Beispiel dafür, dass die Mafia-Organisationen in den Flüchtlingen ein lukratives Geschäftsfeld entdeckt haben.