Forschungsfeld Organisierte Kriminalität: kein Randthema, sondern unverzichtbar

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Der 18. Mai war ein wichtiger Tag für mafianeindanke  – wir haben es geschafft, das Engagement gegen die Organisierte Kriminalität auch in einem akademischen Kontext zu besprechen (Link zur Veranstaltung). Die regionale Gruppe für NRW, die vor allem aus jungen Studierenden und Absolvent*innen besteht, hat in einer Aula der Universität zu Köln eine Veranstaltung organisiert, wo wir uns mit der akademischen Forschung zur Organisierten Kriminalität in Deutschland beschäftigt haben. Unter den ca. 80 Zuschauer*innen – darunter vor allem Studierende der Universität Köln – hat die Veranstaltung großes Interesse geweckt.

Von den Gästen waren Prof. Dr. Theresa Reinold und Prof. Dr. Frank Neubacher vor Ort präsent, während Prof. Dr. Klaus von Lampe sich per Zoom aus Berlin zugeschaltet hat. Mafianeindanke hat die Diskussion moderiert, in der es hauptsächlich um den aktuellen Stand der OK-Forschung in Deutschland sowie die nötigen Maßnahmen ging, um die Relevanz der Forschung beim Kampf gegen kriminelle Strukturen zu erhöhen.

Zunächst haben wir versucht, das Forschungsfeld besser abzugrenzen. Dennoch waren sich die Gäste einig, dass es extrem schwierig ist, den Begriff „Organisierte Kriminalität“ einheitlich zu definieren, da sich kriminelle Strukturen in der Praxis sehr stark voneinander unterscheiden. Dabei haben die Professor*innen zudem hervorgehoben, wie wichtig es ist, die Vermögen der OK anzugreifen und diese bestmöglich abzuschöpfen.

“Die Mafia in Deutschland existiert! Sie ist keine Erfindung oder Frucht der Fantasie, sondern eine Realität die viel zu oft unterschätzt wird“, haben die Gäste mehrmals wiederholt. Dennoch müssen diejenigen, die ihre Forschung der OK widmen, viel zu oft vor ihren eigenen Kolleg*innen rechtfertigen. Die häufigsten Fragen sind etwa: Warum beschäftigst du dich mit diesem Thema? Wozu benötigst du diese Quellen und Ressourcen? Daher ist es besonders kompliziert, sich langfristig mit der OK zu beschäftigen: Forschungsprojekte werden üblicherweise für abgegrenzte Themenbereiche ausgeschrieben und dauern maximal drei bis vier Jahre, wonach ein*e Forscher*in sich sofort für die nächste Initiative bewerben muss, um nicht arbeitslos zu werden. Aufgrund der mangelnden Kontinuität der Forschung ist es wahrscheinlich, dass zu diesem Zeitpunkt keine aktive Ausschreibung für ein weiteres OK-Projekt existiert und die Forscher*innen sich anderen Themen zuwenden. Neben diesen Problemen haben die Gäste herausgearbeitet, dass das Thema der OK in Deutschland zu wenig erklärt wird und allgemein zugängliche, verlässliche Informationen zur Aufklärung der Bevölkerung Mangelware sind. Ebenso limitiert sind die Quellen, die Forscher*innen für die Entwicklung ihrer Recherchen zur Verfügung stehen: die wenigen bekannt gewordenen Delikte sowie Probleme bei der Verarbeitung personenbezogener Daten machen es schwierig, das Phänomen der OK erklärbar zu machen. Woran es hingegen entgegen der gängigen Annahme nicht mangelt, sind finanzielle Ressourcen, wenngleich die Gäste erwähnt haben, dass öffentliche Gelder oft dazu verwendet werden, Forschungsprojekte in die politisch gewünschte Richtung zu steuern.

Was muss also geschehen, um die Forschung zur Organisierten Kriminalität zu verstärken und ihre Relevanz bei der Bekämpfung solcher Phänomene zu fördern?

Zuerst ist es notwendig, nachhaltige Forschungsstrukturen zu schaffen, die der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Mafia und anderen kriminellen Strukturen Kontinuität verschaffen. Im deutschen Kontext ist es zudem besonders wichtig, mehr Grundlagenforschung zu betreiben und die OK nicht nur aus einer juristischen, sondern vor allem einer interdisziplinären Perspektive zu betrachten. Die Universitäten sollten mehr miteinander kooperieren und idealerweise auch internationale Strukturen zur Zusammenarbeit aufbauen. Auch wenn es laut den Gästen kurzfristig nicht möglich sein wird, einen richtigen Lehrstuhl für OK-Forschung zu realisieren, wie er z.B. mit dem Studiengang „Soziologie der Organisierten Kriminalität“, geleitet von Nando Dalla Chiesa, an der Universität von Mailand (Statale di Milano) existiert, haben wir einen Alternativvorschlag. Mafianeindanke schlägt vor, einem anderen italienischen Beispiel zu folgen und eine permanente Beobachtungsstelle zur OK in Deutschland zu schaffen – also eine Struktur, die Forscher*innen aller Universitäten aufnimmt und es diesen ermöglicht, sich dank langfristiger Finanzierung längerfristig mit der OK zu beschäftigen. Es ist an der Zeit, die in Deutschland existierenden Informationen zur OK und die Personen, die das Phänomen erforschen und bekämpfen wollen, zusammenzubringen.

Der Erfolg der Veranstaltung beschränkt sich nicht nur auf diese Erkenntnisse: die Antimafia-Bewegung in Deutschland entwickelt sich. Aber, wie die Gäste auch hervorgehoben haben: „es ist verpflichtend, ein größeres Bewusstsein zum OK-Phänomen in Deutschland zu schaffen, bevor man auf akademischer Ebene eine vollumfängliche (Forschungs-)antwort dazu erwarten kann.

Für mafianeindanke hat das Engagement für eine stärkere und kontinuierlichere akademische Forschung zur OK in Deutschland gerade erst begonnen. Zusammen mit unserem wachsenden Netzwerk in der akademischen Welt werden wir uns engagieren, sodass das Thema die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Wir halten Sie auf dem Laufenden!

Diese Veranstaltung wurde von der NRW-Gruppe von mafianeindanke organisiert. Wir sind eine junge, tatkräftige Gruppe und haben in Zukunft viel vor. Lust mitzumachen? Hier gibt es mehr Informationen zur Gruppe. Zudem sind wir jederzeit unter nrw[AT]mafianeindanke.de erreichbar.

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