Der Staat als Beute | Antimafia-Stunde 06/2026 mit Kai Lindemann
8. Dezember @ 19:00 – 20:00
Die Gewalt der mafiösen Netzwerke und Beutegemeinschaften. Zur Racket-Theorie der Frankfurter Schule
Die Geschäftsaktivitäten des US-Präsidenten Trump wurden gegen Ende des Midterm-Wahlkampfs – also reichlich spät – zum Wahlkampfthema. Sein Wirtschaften in die eigene Tasche trieben die WählerInnen nach Meinungsumfragen genauso stark um wie die steigenden Lebenshaltungskosten oder der Krieg mit dem Iran. Während Trump regiert, kassiert seine ganze Familie – in Milliardenhöhe. Ebenfalls seine Günstlinge und sein informeller Freundeskreis. Wie sein Sondergesandter für Gaza oder der Ukraine, der Immobilieninvestor und Deal Maker Steve Wittkoff, die allesamt von Beuteanteilen im System Trump profitieren.
In einer Untersuchung der New York Times hieß es hierzu, dass „die Grenze zwischen Privatwirtschaft und Regierungspolitik in einer Weise ausgehöhlt wird, die in der modernen amerikanischen Geschichte ohne Beispiel ist“. Dieses Muster zieht sich durch die zweite Amtszeit von Donald Trump. Die Trumps investieren dort, wo der Präsident per Regulierung am Parlament vorbei mittels Exekutive Orders, Zöllen und Außenpolitik die Bedingungen setzt: Krypto, Rüstung, Rohstoffe, Luxusimmobilien im Ausland. Mehr als zwei Milliarden US-Dollar Einkommen wies der Präsident für 2025 aus. Ohne die „Geschenke“, Großflugzeuge inbegriffen, die er von Drittstaaten oder aus den USA erhält.
Angeprangert wird dies in den Medien und den US-Demokraten als „Korruption“ oder „Kleptokratie“, also dem Missbrauch staatlicher Macht zur eigenen Bereicherung. Bisweilen werden seine Aktivitäten auch mit dem Etikett „Mafia“ versehen.
Der Umbau von Staat und Ökonomie in einer veränderten Welt – nicht nur in den USA, sondern bereits sichtbar auch anderswo wie in Argentinien oder Russland – ist rasant. Dieser Entwicklungsprozess und das System Trump lässt sich mit Begriffen wie Korruption nur verkürzt umschreiben und muss deshalb analytisch besser ausgeleuchtet werden, um den weltweit drohenden Niedergang des Gemeinwesens aufhalten zu können.
Hinter diesen demokratiefeindlichen Entwicklungen steckt mehr als Korruption. Es etabliert sich um ein neues globales Machtmodell, seit es den Konflikt verschiedener Gesellschaftssysteme, den Systemkonflikt zwischen dem kapitalistischen Westen und der ehemaligen Sowjetunion nicht mehr gibt, wo unter Putin und seiner Oligarchenentourage der starke Staat endgültig zur volatilen Beutegemeinschaft geworden ist. Die Geschäftspraktiken des Big Money in den USA ohne durchgreifende staatliche und parlamentarische Kontrolle sowie die über informelle Netzwerke mit staatlichen Institutionen verbundenen US-Tech-Oligarchien mit ihren Hauptfiguren Elon Musk und Peter Thiel hat es in der Geschichte der Kapitalismus in dieser Form noch nicht gegeben.
Für ein besseres Verständnis könnte die von Horkheimer und anderen Vertretern der Frankfurter-Schule im Exil entwickelte Kritik der Rackets (Beutegemeinschaften) sorgen.
In dieser Antimafia-Stunde sprechen wir mit Karl Lindemann über seine Forschungen zur Rackettheorie und ihre Aktualität als Erklärung des Systems Trump in den USA oder Mileis in Argentinien.
Kai Lindemann ist Geschäftsführer des Berliner Arbeitslosenzentrums. Zuvor war er für den Deutscher Gewerkschaftsbund tätig. Er hat in Frankfurt am Main studiert und über politische Korruption promoviert. Seit vielen Jahren publiziert er u.a. zum Racket-Begriff der Frankfurter Schule.
Die Antimafia-Stunde ist eine digitale Veranstaltung von mafianeindanke, die alle zwei Monate stattfindet. Jede Antimafia-Stunde ist einem Thema aus der Antimafia-Welt gewidmet, zu dem wir ein:e Referent:in einladen. So haben alle Mitglieder und Interessierte die Möglichkeit, von Expert:innen zu lernen und ihnen direkt Fragen zu stellen. Die Antimafia-Stunde ist lehrreich, macht Spaß und gibt insbesondere allen Vereinsmitgliedern die Möglichkeit, sich als aktiver Teil einer Community zu fühlen!
Sprache: Deutsch
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