Touristen (und nicht nur) die Mafia erklären – Treffen mit Augusto Cavadi


Können wir gefahrlos kommen oder bringen die uns mitten auf der Straße um? – das ist die erste Frage, die Augusto Cavadi als Palermitaner von Freunden hört, die Sizilien besuchen möchten. Aufgrund dieses gravierenden Fehlverständnisses ist es dringend notwendig, Sizilienreisenden zu erklären, was die Mafia wirklich ist – fernab von Stereotypen und Legenden. Um einen Mythos zu dekonstruieren, der nicht nur dem Image der sizilianischen Insel, sondern auch dem Kampf gegen die Mafia schadet.

Cavadi berichtet uns, dass oft gerade die Sizilianer selbst die größten Touristen im eigenen Land sind: unwissend, was die Mafia betrifft – denn man spricht darüber einfach zu wenig. Und wenn, dann kaum auf wissenschaftlicher Basis.

Der berühmte Antimafia-Richter Giovanni Falcone erinnert in seinem letzten Interview, dass er nie „Mafia-Unterricht“ erhalten habe – weder in der Schule noch in der Universität. Jetzt aber nutzen Lehrerkollegen Cavadis dessen Buch als Lehrmaterial. Das Werk, das journalistischen (Cavadi ist Mitarbeiter bei der palermitanischen Ausgabe der Zeitung „La Repubblica“) mit didaktischem Stil mischt, benennt die gängigsten Fragen von Touristen über die Mafia und beantwortet sie.

Aber wenn Palermo nicht der Wilde Westen ist, was ist die sizilianische Mafia dann? Wenn nicht überall Blut und Gewalt herrscht – bedeutet das vielleicht sogar, dass das Problem gar nicht so groß ist? Im Gegenteil erklärt das Buch, dass es sich bei der Mafia um ein ungleich gefährlicheres Phänomen handelt – aufgrund der Fähigkeit derselben, sich Gesellschaft, Politik und Wirtschaft anzupassen und mit diesen zu interagieren.

Und in Deutschland? Genau das Gleiche. Die scheinbare Unsichtbarkeit ist nicht Symptom von Abwesenheit oder Schwäche, sondern von Stärke. Je mächtiger die Mafia ist, desto weniger muss sie gewalttätig werden und aus ihrem Versteck treten. Cavadi hat keine Zweifel über die Präsenz der sizilianischen Mafia auch in Deutschland (und wir auch nicht): überall dort, wo sich die Möglichkeit zu Kontrolle und Bereicherung bietet, ist auch die Mafia.

Noch ein letzter Rat für bewusste Touristen:

besser für Dinge ein bisschen mehr bezahlen, als sofort beim günstigsten Angebot zuzugreifen. Es ist bekannt, dass die Mafia nach Wegen sucht, ihre illegalen Einnahmen zu waschen – und diese bevorzugt im Tourismussektor findet. Bei zu günstigen Preisen müssen also die Alarmglocken losgehen.

Wie erkennt man nun aber saubere Anbieter? Zum Beispiel, indem man sich ans Netzwerk Addiopizzo (http://www.addiopizzo.org) wendet. Addiopizzo vereint Vertreter verschiedenster Berufsgruppen, die sich weigern, der Mafia Schutzgeld zu zahlen. Auch hat Addiopizzo den Reiseveranstalter Addiopizzo Travel ins Leben gerufen, der nachhaltigen und verantwortungsbewussten Tourismus fördert.

Vernissage der Kampagne „Mafia-Stereotype in Deutschland“


Am 10.01.2017 haben wir mit der Ausstellung „Mafia-Stereotypen in Deutschland“ in der Landeszentrale für politische Bildung unsere Kampagne über die Stereotypen der Mafia in Deutschland abgeschlossen, welche im November 2016 begann. Die Ausstellung hat für ein großes mediales Interesse gesorgt und wurde im Radio und in Zeitungen thematisiert.

Ihr habt uns mit euren Ideen und Anregungen sehr geholfen, sodass das Event vor allem auch dank eurer großen Teilnahme und eurem Interesse ein voller Erfolg wurde.

Die vielen Fotos aus unserer Kampagne waren dabei der Ausgangspunkt für eine lebhafte Diskussion, welche das sowohl deutsche als auch italienische Publikum zum Nachdenken über die Präsenz mafiöser Stereotypen im Alltag und damit verbundener Gefahren gebracht hat. Die Repräsentation der Mafia als ein Element des Marketing fördert ein falsches Bild der Mafia. Dies hat Auswirkungen darauf, wie das Thema der Existenz der Mafia in Deutschland behandelt wird.

Kinokarten zu gewinnen


Im September war der Autor Carlo Bonini in Berlin Gast von Mafia? Nein, Danke!. Bonini ist mit Giancarlo De Cataldo Autor des Bestsellers Suburra,  ein Roman über die römische Mafia Capitale. In einer Preview zeigten wir auch die Verfilmung des Buches. Jetzt, am 26. Januar,  kommt der Film regulär in die Kinos. Aus diesem Anlass verlosen wir 3 x 2 Tickets, die in ganz Deutschland gültig sind. Schreiben Sie einfach bis zum 20. Januar eine Email an unsere Adresse mit dem Betreff Suburra.

Podiumsdiskussion Mafia? In Deutschland? organisiert von der Initiative „Gelebte Zivilcourage“


Die mit Mafia? Nein, Danke! e.V. befreundete Initiative Gelebte Zivilcourage weist mit Veranstaltungen in Stuttgart unermüdlich auf die Gefahren durch Mafia-Präsenzen in Deutschland hin. Entstanden nach einer Studienreise vor einigen Jahren nach Sizilien, engagieren sich Stuttgarter Lehrerinnen und Lehrer und Unterstützende seitdem für die länderübergreifende Antimafia-Bewegung.

Mafia? Nein danke! e.V. schätzt dieses Engagement sehr; gerade im besonders mafiös kontaminierten Südwesten Deutschlands ist es unverzichtbar, um Antikörper gegen die Mafia dort zu bilden. Umso erfreulicher war, dass die von „Gelebte Zivilcourage“ veranstaltete Podiumsdiskussion in der Stadtbücherei ausverkauft war: 300 Gäste, vor allem viele Schüler, hörten zwei Stunden lang interessiert zu und diskutierten mit dem Moderator Knut Krohn von der Stuttgarter Zeitung und den Diskutanten auf dem Podium.

HIER weiterlesen: Mafia? In Deutschland?

Kampagne „Mafia-Stereotype in Deutschland“


 

Es lauft unsere Kampagne, mit dem Ziel Mafia-Stereotype in Deutschland zu sammeln. So können Sie mitmachen: machen Sie Fotos von Restaurants, Geschäften, Menüs etc.  , die einen nicht angebrachten Bezug zum Thema Mafia herstellen und posten Sie diese auf dem Facebook-Event von Mafia? Nein, Danke! e.V.   (link).

Für jedes eingereichte Foto werden wir versuchen, uns mit dem „Autoren“ des Stereotyps in Verbindung zu setzten, um herauszufinden wieso er diesen speziellen Bezug gewählt hat und was der Name für ihn bedeutet. Die daraus erhaltenen Ergebnisse und alle gesammelten Fotos und möglicherweise andere Darstellungsformen werden dann in einer Ausstellung gezeigt, die im Anschluss an die Kampagne organisiert wird.

27.-28. Juni 2017: ZEHN JAHRE NACH DEN MAFIAMORDEN VON DUISBURG – EUROPA UND DER KAMPF GEGEN DIE ORGANISIERTE KRIMINALITÄT 


Erst ein drastisches Ereignis wie der Sechsfach-Mord von Duisburg vermochte es, Deutschland vor Augen zu führen, wie gefährlich die Mafia-Gruppierungen sind, die sich das Land schon lange als Heimat gesucht haben. Seit dem blutigen Kulminationspunkt der Blutfehde zweier Clans sind annähernd zehn Jahre vergangen. Dies ist Grund genug für uns, im kommenden Jahr in einer großen Antimafia-Konferenz zu fragen, was sich seitdem getan hat und was sich noch ändern muss. Wir wollen mit dieser Veranstaltung helfen, Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität zu vernetzen. Zugleich machen wir uns selbst damit ein Geschenk: zum zehnjährigen Bestehen der Gruppe Mafia? Nein, Danke.

Ehrung für Libera-Gründer Don Luigi Ciotti


Don Luigi Ciotti erhält den Mietek-Pemper-Preis der Augsburger Universität. Der Preis ist nach Mieczyslaw (Mietek) Pemper benannt, der 2011 gestorben ist und Ehrenbürger von Augsburg ist. Pemper war im Konzentrationslager von Krakau-Płaszów in Polen inhaftiert und der Ex-Sekretär von Oskar Schindler, dem deutschen Industriellen, dem es gelang, während des Nationalsozialismus mehr als 1100 Juden vor der Vergasung zu retten; Steven Spielberg hat die Geschichte im Film „Schindlers Liste“ erzählt. Seit 2007 wird der Preis für Verdienste um die Versöhnung und die Völkerverständigung vergeben. Don Ciotti erhält den Preis als Gründer der  Organisation „Libera. Vereine, Namen und Zahlen gegen die Mafia“, ein bekanntes Netzwerk von Antimafia-Vereinen, das auch von mafianeindanke e.V. unterstützt wird.
Don Ciotti hat den Kampf gegen die Mafia zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Diese Entscheidung hat ihn, so ist in der Begründung für die Auszeichnung zu lesen, in Italien zu demjenigen Priester gemacht, dessen Leben am stärksten gefährdet ist. Die Feier der Preisverleihung findet am 20. Oktober im Rathaus von Augsburg statt. Wir begrüßen die Vergabe an Don Luigi Ciotti und beglückwünschen den Gründer unserer Partnerorganisation Libera dazu.

Der italienische Schriftsteller und Journalist Roberto Saviano wird in Potsdam ausgezeichnet


Am 15. September 2016 findet die internationale Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium in Potsdam, genauer gesagt im Schlosspark Sanssouci, statt und das bereits zum 12. Mal.
Die Idee dieses Veranstaltungsformats ist es, international bedeutende Journalisten, Kommentatoren, Medienunternehmer und öffentliche Schlüsselfiguren zusammenzubringen und die Rolle und den internationalen Einfluss von Medien zu diskutieren. Themen sind dabei auch die Bedeutung von Medien für die Demokratie und die Meinungsfreiheit.

4. September: Film-Vorführung „Felicia Impastato” im Rahmen der CinemAperitivo-Reihe


Am 9. Mai 1978 wird Peppino Impastato von Angehörigen des Mafiaclans Badalamenti ermordet. Damals beschließt die Mutter des jungen Mannes, Felicia Impastato, keine Ruhe zu geben und die Namen der Mörder ihres Sohnes immer wieder öffentlich zu nennen. Schließlich findet sie jemanden,d er ihr zuhört: den Staatsanwalt Rocco Chinnici. Ihm gelingt es, die allzu schnell getroffenen Schlussfolgerungen seiner Kollegen über den Tod von Peppino zu widerlegen. Am 29. Juli 1983 wird er jedoch in die Luft gesprengt. Felicia Impastato beweint seinen Tod, gibt sich aber nicht geschlagen.
25. Oktober 2000: Sizilien hat sich dank den Opfern vieler verändert – 22 Jahre nach dem Mord an Peppino Impastato kann seine Mutter als Hauptzeugin im Prozess gegen Tano Badalamenti ihm entgegenschleudern: „Du hast meinen Sohn getötet.“ (Rai.tv)

Anmeldefrist für die „Summer School on Organized Crime“ in Mailand hat begonnen


Auch dieses Jahr organisiert das Institut für Sozial- und Politikwissenschaften der Universität Mailand die Summer School on Organized Crime.


Wie der Titel „Antimafia perchè. Antimafia come“ (Antimafia warum. Antimafia wie) schon sagt, geht es eine Woche lang um das Thema, das in den letzten Jahren immer wichtiger wurde und in der italienischen Öffentlichkeit kritisiert wird. Zivilgesellschaftliche Sensibilität und wissenschaftliches Interesse kommen an einem Ort zusammen, an dem Studierende, öffentliche Vertreter_innen, Vereine, Richter_innen und Staatsanwält_innen, Journalist_innen, Expert_inenn und Mitglieder des Zivilgesellschaft sich austauschen können.