Wie man die Investition illegaler Gelder auf dem Immobilienmarkt mit zielführenden Maßnahmen des Gesetzgebers verhindern kann


Das Gesetz zur Umsetzung der 5. EU-Geldwäscherichtlinie als Vehikel nutzen. Vortrag von Michael Findeisen beim 17. Jahreskongress zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung 2019 (16.-18.9.2019) Berlin

Bundesfinanzminister Scholz hat bei der Vorstellung des im Kabinett am 1.8. 2019 verabschiedeten Gesetzesentwurfs der Bundesregierung zur Umsetzung der 5. EU-Geldwäscherichtlinie diesen Entwurf auch als Regelungen gegen Geldwäsche im Immobiliensektor angepriesen. Weitreichende gesetzliche Regelungen gegen Geldwäsche im Immobiliensektor enthält der Gesetzesentwurf jedoch nicht. Dieser Verzicht auf ein schlüssiges Maßnahmepaket steht im Widerspruch zu der unter der Federführung des Bundesministeriums der Finanzen erstellten Nationalen Risikoanalyse und der Einschätzungen der Financial Intelligence Unit (FIU) im Jahresbericht 2018 vom Juli 2019[1], dass Geldwäsche am deutschen Immobilienmarkt eine zentrale Rolle spielt. Der Gesetzesentwurf packt in diesem Zusammenhang nur Marginalien an. Auf der Höhe der Zeit ist er deshalb nicht:

  • Nach den Erkenntnissen der vom BMF zu verantwortenden Nationalen Risikoanalyse, die von den strafprozessualen Ermittlungen in Berlin gegen die sog. Clankriminalität bestätigt werden, werden öffentliche Zwangsversteigerungen durch Gerichte und Versteigerungen durch Behörden genutzt und hierfür oftmals Barzahlungen eingesetzt. Mit den in § 2 GwG neu eingefügten Absätzen 3 und 4 werden die Identifizierungs- und Meldepflichten auf Behörden und Gerichte in Bezug auf den sog. Ersteher und den Einsatz von Bargeld ausgedehnt. Dieser Schritt ist zu begrüßen, wird jedoch nur einem Teilaspekt der Geldwäsche auf dem Immobilienmarkt gerecht.
  • Die im Entwurf vorgenommene Überarbeitung des Wortlauts von § 43 Abs.2 GwG dient lediglich der Anpassung an den Wortlaut der Geldwäscherichtlinie im Interesse einer besseren Konturierung der Verdachtsmeldepflicht für Freie Berufe im Lichte der EU-Vorgaben; eine Erweiterung der Verdachtsmeldepflicht für freie Berufe ist damit nicht verbunden.
  • Die in § 43 Abs. 6 (E) vorgesehene Verordnungsermächtigung dürfte das eigentliche Ziel der Bundesregierung, mehr Verdachtsmeldungen auf dem Kreis der freien Berufe, insbesondere von Notaren, zu generieren, ebenfalls verfehlen. Danach sollen Sachverhalte bei Erwerbsvorgängen nach § 1 des Grunderwerbssteuergesetzes bestimmt werden, die von den Verpflichteten stets zu melden sind. Abs. 6 (E) stellt auch kein Novum dar. Bereits nach gegenwärtiger Rechtslage (§ 43 Abs. 5 GwG) konnte die FIU im Benehmen mit den Aufsichtsbehörden typisierte Transaktionen bestimmen, die (unabhängig von einem Verdacht) zu melden sind. Allerdings wurde von dieser Norm in der Praxis kein Gebrauch gemacht. Der einzige Unterschied zur bisherigen Rechtslage besteht darin, dass diese Kompetenz auf Wunsch der Bundesnotarkammer auf das Bundesministerium der Finanzen (im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Justiz und Verbraucherschutz) verlagert werden soll. Ob damit – wie von der Bundesnotarkammer betont -, ein größerer abschreckender Effekt für Geldwäscher – verbunden ist, ist zweifelhaft. Einen größeren abschreckenden Effekt können Normen ohnehin nur dann erreichen, wenn sie tatsächlich angewandt werden.

Verdachtsunabhängige Meldepflichten von Verpflichteten
gegenüber der FIU wurden bisher im BMF aus gutem Grunde kritisch gesehen, da
sie bei an sich unauffälligen Aktivitäten im Massengeschäft  – etwa bei Meldepflichten für
Bartransaktionen über einem bestimmten Schwellenwert –  für die FIU keine Anhaltspunkte von Relevanz
darüber liefern, warum im Einzelfall eine nach § 43 Abs. 1 GwG relevante
Tatsache vorliegen soll. Die Analyse von zusätzlichen Meldungen durch die FIU,
die für die Verpflichten nicht auf Geldwäsche hindeuten, würde die bereits mit
der Analyse von Verdachtsmeldungen nach § 43 Abs. 1 GwG aktuell völlig
überforderte FIU zusätzlich überfordern.

Dies würde sich erst dann ändern, wenn eine operationell und
personell gut aufgestellte deutsche FIU, wie die US-Behörde Fincen oder die
italienische FIU, technisch und organisatorisch in der Lage wäre, für einen
längeren Zeitraum Datenanalysen zu
Transaktionen und Geschäften über den Einzelfall hinaus auch auf der Makroebene

durchzuführen. Die italienische FIU analysiert erfolgreich auf regionaler
Ebene, gestützt auf verdachtsunabhängige Meldungen, wirtschaftliche Aktivitäten
und Grundstücksgeschäfte. Die dafür notwendigen organisatorischen und
technischen Schritte bei der deutschen FIU und die notwendigen gesetzlichen
Begleitmaßnahmen sieht der Gesetzesentwurf allerdings gar nicht vor. Die
Mitarbeiter der FIU verfügen im Übrigen für solche Analysen bisher keinerlei
know how.

Erwerbsvorgänge nach § 1 Grunderwerbssteuergesetz, an die
Abs. 6 anknüpfen soll, stellen ein verbreitetes, im Regelfall unauffälliges
Massengeschäft dar. Eigentumswechsel bei
Grundstücke sind Geschäfte des wirtschaftlichen Alltags
. Einzelne in § 1
aufgeführte Erwerbsvorgänge weisen keine Spezifika auf, die sie für Geldwäsche
besonders prädestinieren. Alle Erwerbsvorgänge eignen sich grundsätzlich für
Geldwäschezwecke. 

Diese Erwerbsvorgänge stehen ohnehin meistens im Kontext mit
einer Rechtsberatung, die sich als Sperre bei der Meldepflicht bezüglich dieser
Vorgänge erweisen wird. Diese Sperre ließe sich auch nicht durch § 30 Abs. 3
GwG für die FIU durch ein Auskunftsverlangen beseitigen, da nach Abs. 3 Satz 2
die freien Berufe als Verpflichtete ein Auskunftsverweigerungsrecht besitzen.

Die Bedeutung des
Immobilienmarkts für Geldwäsche in Deutschland ist unstreitig

Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass von geschätzten
100 Milliarden Euro, die aus kriminellen Vortaten stammen, jedes Jahr in
Deutschland 20 Milliarden auf dem Immobilienmarkt gewaschen werden. Die FIU
stellt in ihrem Jahresbericht 2018 fest, dass der Immobiliensektor ein Sektor mit herausgehobenem Risiko für
Geldwäscheaktivitäten
sei. Dies liege zum einen darin begründet, dass Immobilien sehr hochpreisige, wertstabile
Güter seien und somit unauffällig sehr hohe Beträge in einzelnen Transaktionen
bewegt werden können. Gleichzeitig bestünden Möglichkeiten, die Transparenz von
Mittelherkunft und Eigentumsverhältnissen einzuschränken
. Beispielsweise
kann durch Finanzierungsmodelle unter Einbindung
von Off-Shore Standorten
die Nachvollziehbarkeit der Mittelherkunft
erschwert werden. Bedingt durch eine Vielzahl rechtlicher Gestaltungsoptionen
für in- und ausländische juristische Personen, die die Nutzung komplexer Eigentümerstrukturen erlauben, könnten darüber
hinaus in bestimmten Fällen Eigentumsverhältnisse schwer nachvollziehbar sein. Bedeutende
vierstellige Wohnungsbestände in Berlin sind nach den Recherchen des Berliner
Tagesspiegels auf Stiftungen und juristische Personen eingetragen, deren
Anteilseigner u. a. auf den Bahamas registriert sind. Bei diesen Recherchen
wurde auch ein Großeigentümer, eine in London domizilierende Familie als
wirtschaftlich Berechtigte in einem internationalen Geflecht aus
Briefkastenfirmen u. a. mit Sitz in Offshore-Staaten sichtbar, auf die tausende
Berliner Wohnungen als Eigentümer eingetragen sind.

Auch im internationalen Kontext wird ein Geldwäscherisiko in
diesem Bereich gesehen. So wird der Erwerb von Luxusimmobilien durch
Briefkastenfirmen als ein attraktiver Weg gesehen, um anonym Gelder zu waschen.
Dies gilt insbesondere bei direkter Kaufpreiszahlung ohne Finanzierung, bei der
Fremdfinanzierung über Kreditinstitute in Anspruch genommen wird und die
Wahrscheinlichkeit, eine Geldwäscheverdachtsmeldung auszulösen, deutlich
verringert wird. In vielerlei Hinsicht sind Immobilien spezielle Güter. Sie sind
langlebig, standortgebunden und lassen sich nur begrenzt substituieren. Mit
einem Bruttoanlagevermögen von ca. 13,9
Billionen €
(80,3 % des gesamten Bruttoanlagevermögens) im Jahr 2016 sind
Immobilien laut eines Gutachtens des Deutschen Verbands für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung e. V. die bedeutendste
Anlageklasse in Deutschland
.

Lösungsvorschläge

Die im Jahresbericht 2018 durchscheinende Hoffnung der FIU,
dass allein ihre Erkenntnisse – ohne gesetzliche Maßnahmen und deren
konsequente Umsetzung – dazu führen würden, mehr Verdachtsmeldungen von
Akteuren aus dem Nicht-Finanzsektor zu bekommen, die in Immobilientransaktionen
involviert sind, wäre trügerisch. Das Problem der Nutzung von Immobilien für
Geldwäschezwecke in Deutschland besitzt inzwischen eine Dimension, die
Handlungslösungen des Gesetzgebers erforderlich machen, die schnell greifen.
Spezifische Standards zur Verhinderung der Geldwäsche im Immobiliensektor gibt
es bisher auf EU-Ebene oder durch die FATF nicht. Deshalb hätte der Gesetzgeber
bei Umsetzung der nachfolgend präsentierten Formulierungsvorschläge von
Finanzwende einen nationalen Gestaltungsraum, weil anders als beim
Transparenzregister bei den Mechanismen zur Herstellung von Transparenz im
Immobiliensektor noch keine europarechtlichen Vorgaben bestehen und die
vorgeschlagene Lösung zu den EU-Standards im Übrigen nicht im Widerspruch
stehen.

Bisher wurden unter Bezug auf diese Risikoszenario von der
parlamentarischen Opposition (Bündnis 90/die Grünen, Die Linke) bzw. von
Nicht-Regierungsorganisationen wie Transparency International politische
Forderungen erhoben, die auf mehr Transparenz im Immobiliensektor zielen, um
Informationen über Zahlungsströme sowie die wahren Immobilieneigentümer zu
erhalten. Die Grünen fordern ein zentrales  Immobilienregister. Gesetzesentwürfe gibt
es hierzu jedoch noch nicht. Diese politischen Forderungen gehen zwar in die
richtige Richtung. Sie wurden jedoch nicht in einen konkreten Vorschlag für
eine Änderung des GwG transponiert.

Wir schlagen eine Lösung vor, mit der im Interesse der FIU
und anderer zuständiger Stellen die

  • Sichtbarmachung der Mittelherkunft bei Grundstückskäufen und die
  •  Transparenz bezüglich der wirtschaftlich Berechtigten eines Grundstücks

kurzfristig realisiert
werden kann, ohne hierfür zeitaufwendig das Transparenzregister bzw. das
Grundbuch in einem rechtlich und technisch komplizierten Verfahren
umzustrukturieren
. Dennoch orientiert sich der Vorschlag von Finanzwende an
Sinn und Zweck des Transparenzregisters gem. § 18ff. GwG.

Ohne Mitwirkung der Länder, in deren Zuständigkeit das
Grundbuchwesen fällt, ließen sich die bisher auf dem Tisch liegenden
Forderungen nach einem Transparentregister ohnehin nicht realisieren. Die vor
kurzem abgeschlossene Digitalisierung
des Grundbuchs bzw. die Schaffung des elektronischen Grundbuchs (EGB)
hat
in den einzelnen Bundesländern mehrere Jahre benötigt. Auch die Operabilität
des Transparenzregisters auf Bundesebene hat immer noch Schwachstellen. Eine
Erfassung des wirtschaftlich Berechtigten in einer gesonderten, neu zu
schaffenden Abteilung des Grundbuchs würde,
was die Umsetzung anbelangt, ebenfalls Jahre brauchen. Die Umsetzung der
Forderung der Grünen, dass wirtschaftliche Berechtigte aller Unternehmen, die
in Deutschland Eigentümer einer Immobilie sind oder das werden wollen, in das
deutsche Transparenzregister eingetragen werden müssen und dazu eine
Identifikationsnummer erhalten sollen, die in das Grundbuch eingetragen wird,
wäre nicht nur gesetzestechnisch anspruchsvoll. Änderungen der Grundbuchordnung
als Angelpunkt würde den einzelnen Ländern wiederum eine besonders
Zuständigkeiten zuweisen, was der von allen Parteien und Nichtregierungsorganisationen
beklagten Zersplitterung der Maßnahmen gegen Geldwäsche in Deutschland auf
Länderebene weiter Vorschub leisten würde.

Im Lichte dieser Risiken bedarf es eines Bündels von
gesetzlichen und untergesetzlichen Maßnahmen gegen diese spezifische Methode
der Geldwäsche, die nicht nur der Verschleierung illegal erlangter
Vermögenswerte dient, um diese dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden zu
entziehen. Diese illegalen Gelder
leisten auch einen Beitrag, der zur Überhitzung des Immobilienmarkts beiträgt –
zulasten der Mieter und Kaufwilliger, die die Immobilieninvestition mit legal
erlangten Vermögenswerten tätigen
.

Die Pflicht zur Feststellung
des wirtschaftlich Berechtigten nutzen, um Transparenz auf dem Immobilienmarkt
zu schaffen

Der Begriff des wirtschaftlich Berechtigten spielt in der
nationalen und internationalen Geldwäscheprävention eine zentrale Rolle. Die
Abklärung, ob der Vertragspartner für einen wirtschaftlich Berechtigten
handelt, und, sofern dies der Fall ist, dessen Identifizierung, ist ein
zentraler Pfeiler bei der Geldwäschebekämpfung. Die Feststellung des
wirtschaftlich Berechtigten soll Strohmannverhältnissen
entgegenwirken und diejenigen sichtbar machen, in deren wirtschaftlichen oder
rechtlichen Interesse eine Transaktion erfolgt.

Diese Sichtbarmachung von Mittels- und Hintermännern sowie
die Beseitigung der Anonymität von Firmenkonstrukten ist Voraussetzung, um den
Zugang krimineller Organisationen zum Geldkreislauf der legal handelnden
Wirtschaft zu unterbinden. Seit der 4. und 5. EU-Geldwäscherichtlinie hat die Bedeutung
der

Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten in der
Präventionsstrategie noch deutlich zugenommen. Die EU-Richtlinie hat in diesem
Zusammenhang auch zur Einrichtung eines Transparenzregisters zur Erfassung und
Zugänglichmachung von Angaben über den wirtschaftlich Berechtigten geführt. Das
Transparenzregister sieht Transparenzpflichten im Hinblick auf juristische
Personen des Privatrechts und eingetragene Personengesellschaften vor. Für das dingliche Eigentum und den
sachenrechtlichen Eigentumswechsel findet die Erfassung im Transparenzregister
nach §§ 18 ff. GwG jedoch bisher keine Anwendung.

Vorschlag I:

Pflicht des
Grundstückseigentümers, Angaben zum wirtschaftlich Berechtigten gegenüber der
FIU und anderen Behörden zu machen /Administrative Beschlagnahme eines
Grundstücks bei Nichtoffenlegung des wirtschaftlich Berechtigten

Hinter § 23 [a] GwG wird folgender § 23[b] eingefügt:

§ 23 [b] Angaben zum wirtschaftlich Berechtigten eines Grundstücks

(1) Der im Grundbuch
eingetragene Eigentümer eines Grundstücks hat gegenüber einer berechtigten
inländischen Stelle nach Absatz 3 auf deren Aufforderung Angaben zum
wirtschaftlich Berechtigten des Grundstücks zu machen und hierzu Urkunden oder
sonstige Dokumente vorzulegen.

(2) Angaben gemäß
Absatz 1 sind:

1.Vor- und Zuname,
2. Geburtsdatum
3. Wohnort und
4. Angaben zu Art und Umfang des wirtschaftlichen Interesses, die zeigen, woraus die Stellung als wirtschaftlich Berechtigter gem.§ 3 Absatz 1 bis 4 folgt.

(3) Berechtige
inländische Stellen sind

  1. die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen,
  2. inländische öffentliche Stellen, die für das Besteuerungsverfahren
    zuständig sind,
  3. Aufsichtsbehörden nach § 50 zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben nach
    diesem Gesetz und
  4. die Gemeinde, in der das Grundstück liegt.

Die Stellen gemäß Satz
1 Nrn. 2 bis 4 informieren die Zentralstelle für
Finanztransaktionsuntersuchungen unverzüglich über die von ihnen nach Absatz 1
angeordneten Auskunfts- und Vorlegungsverlangen. Die Zentralstelle für
Finanztransaktionsuntersuchungen unterrichtet die anderen Stellen gemäß Satz 1
Nrn. 2 bis 4 auf deren Ersuchen über von ihr für einzelne Grundstücke
angeordnete oder ihr bekannt gewordene Auskunfts- und Vorlegungsverlangen nach
Absatz 1. Werden mehrere Stellen bezüglich desselben Grundstücks tätig,
entscheidet die Stelle, die zuerst ein Auskunfts- und Vorlegungsverlangen
angeordnet hat. Die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen kann das
Verfahren durch Mitteilung an die andere Stelle an sich ziehen und wird dadurch
für das weitere Verfahren zuständig.

(4) Widerspruch und
Anfechtungsklage gegen die Anordnung des Auskunfts- und Vorlegungsverlangens
haben keine aufschiebende Wirkung.

(5) Das Auskunfts- und
Vorlegungsverlangen nach Absatz 1 kann im Falle, dass der Eigentümer des
Grundstücks Angaben, Urkunden oder sonstige Dokumente nicht richtig, nicht
vollständig oder nicht rechtzeitig macht oder vorlegt, durch ein Zwangsgeld
durchgesetzt werden. Die Höhe des einzelnen Zwangsgeldes darf 20 % des
Einheitswerts des Grundstücks nicht überschreiten. Widerspruch und
Anfechtungsklage gegen die Androhung und Festsetzung eines Zwangsgelds haben
keine aufschiebende Wirkung. Das Zwangsgeld steht der Behörde zu, die das
Zwangsgeld festgesetzt hat.

(6) Bei Vorliegen der
Voraussetzungen des Absatzes 5 Satz 1 kann die berechtigte Stelle die
administrative Beschlagnahme des Grundstücks anordnen. Liegen einer
berechtigten Stelle Anhaltspunkte dafür vor, dass der Eigentümer vor Erfüllung
des Auskunfts- und Vorlegungsverlangens über das Eigentum am Grundstück durch
Rechtsgeschäft verfügen will, soll die berechtigte Stelle die administrative
Beschlagnahme des Grundstücks anordnen. 
Widerspruch und Anfechtungsklage gegen die Anordnung der administrativen
Beschlagnahme haben keine aufschiebende Wirkung. Die administrative Beschlagnahme wird auf Ersuchen der berechtigten
Stelle im Grundbuch eingetragen. Sie hat die Rechtswirkung eines absoluten
Verfügungsverbots
. Die administrative Beschlagnahme des Grundstücks wird
mit dem Zeitpunkt wirksam, in welchem der Verwaltungsakt, durch den sie
angeordnet wird, dem Eigentümer zugestellt wird. Sie wird auch wirksam mit dem
Zeitpunkt, in welchem das Ersuchen um Eintragung der administrativen
Beschlagnahme dem Grundbuchamt zugeht. Die Vorschriften des Gesetzes über die
Zwangsversteigerung und Zwangsverwaltung gelten entsprechend.

(7) Eine Anordnung
nach Absatz 1 oder Absatz 6 ist aufzuheben, sobald und soweit der
Anordnungsgrund nicht mehr vorliegt.

(8) Hat eine
administrative Beschlagnahme gemäß Absatz 6 mindestens drei Jahre bestanden,
ohne dass der Eigentümer dem Auskunfts- und Vorlegungsverlangen richtig und
vollständig nachgekommen ist, gilt dies als Aufgabe des Eigentums im Sinne von
§ 928 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Die berechtigte Stelle stellt dies
durch Bescheid fest. Gegen den Bescheid kann der Betroffene Widerspruch und
Anfechtungsklage erheben Nach Bestandskraft des Bescheids wird der Verzicht auf
Ersuchen der berechtigten Stelle im Grundbuch eingetragen. Das Recht zur
Aneignung steht der Gemeinde zu, in der das Grundstück liegt.

(9) Die für die
Grundstücksbewertung zuständigen Finanzbehörden teilen den berechtigten Stellen
auf Anforderung Einheitswerte mit.

2. Änderung des § 56
GwG:

In § 56 Absatz. 1 wird
hinter [2]der
Nr. [56d] folgende Nr. [56e] eingefügt:

56e. entgegen § 23[(b]
Abs. 1 einem Auskunfts- und Vorlegungsverlangen nicht, nicht richtig, nicht
vollständig oder nicht rechtzeitig nachkommt,

Begründung
(Besonderer Teil)

Zu Absatz 1

Verpflichtet ist der Eigentümer des jeweiligen Grundstücks
unabhängig von seiner Rechtsform. Neben natürlichen Personen sind bei
Personengesellschaften die persönlich haftenden Gesellschafter
auskunftspflichtig, auch dann, wenn sie von der Geschäftsführung ausgeschlossen
sind, bei Kapitalgesellschaften der Vorstand bzw. die Geschäftsführung.

Ein besonderer Anlass für das Auskunftsverlangen ist nicht
erforderlich; dieses bedarf auch, wie in § 44 Abs. 1 KWG, keiner Begründung.

Zu Absatz 2

Absatz 2 spiegelt § 19 Abs. 1 GwG.

Zu Absatz 3

Die Norm soll den von Abs. 3 erfassten Stellen umfassende
Sachverhaltsermittlungsrechte in Bezug auf den wirtschaftlich Berechtigten
eines Grundstücks einräumen. Diese grundstücksbezogenen Informationsrechte
orientieren sich an Art und Umfang der Informationen, die dem
Transparenzregister zur Erfassung und Zugänglichmachung von Informationen von
juristischer Personen des Privatrechts und eingetragener Personengesellschaften
der registerführenden Stelle nach § 20 Abs. 1 GwG zur Eintragung in das
Transparenzregister entsprechen.

Der Absatz führt abschließend die zuständigen Stellen auf,
die einen Verwaltungsakt gem. Abs. 1 erlassen können. Mit ihrer zentralen
Koordinierungsfunktion, u. a. gegenüber den Aufsichtsbehörden der Länder und
den sog. Freien Berufen hat die FIU die Möglichkeit, risikobasierte
Informationen auch bei deren Erhebung zu steuern und damit die
Aufsichtstätigkeit gerade im Nicht-Finanzsektor zu unterstützen.

Ebenfalls liegt diesem Vorschlag die Definition des
wirtschaftlich Berechtigten in § 3 GwG zugrunde. Dies bedeutet u. a. auch, dass
die die „25% -Schwelle“, etwa bei geschlossenen bzw. offenen Immobilienfonds,
auch bei dieser Norm zum Tragen kommt.

Den berechtigten inländischen Stellen sollten, was den
wirtschaftlich Berechtigten anbelangt, im Ergebnis die gleichen Rechte
gegenüber dem Grundstückseigentümer eingeräumt werden, die der registerführende
Stelle nach § 18 ff. GwG gegenüber juristischer Personen des Privatrechts und
eingetragener Personengesellschaften zustehen.

Dieser Absatz dient zusätzlich – auch im Interesse des
Adressaten – der verwaltungsinternen Koordination der von den Berechtigten
angeordneten Ersuchen, um Duplizierungen bei Ersuchen zu vermeiden.

Zu Absatz 6

Die Eskalierungsstufe des Abs. 6 steht nach dem Grundsatz
der Verhältnismäßigkeit in der Regel in einem Stufenverhältnis zu Abs. 5,
findet aber u. a. unmittelbar Anwendung, wenn der Verkauf eines Grundstücks
durch den Eigentümer droht, ohne dass der im Grundbuch eingetragene Verkäufer
Auskunft über den wirtschaftlich Berechtigten erteilt hat und so die Pflichten
des Abs. 1 unterlaufen werden könnten.

In Abs. 6 wird erstmals im GwG das Institut der administrativen
Beschlagnahme geregelt, mit dem konsequent Transparenz auf dem Immobilienmarkt
in Bezug auf den wirtschaftlich Berechtigten hergestellt werden soll. Diese
stellt – wie bei der polizeilichen Beschlagnahme – eine vorläufige
„polizeilich/gewerberechtliche Maßnahme“ als Sicherungsmittel dar, die bei
Zweckerreichung auch wieder aufgehoben aufzuheben ist (Absatz 7).  Als
geldwäscherechtliches Sicherungsinstrument wird die administrative
Beschlagnahme in das Grundbuch eingetragen und bei Zweckerreichung wieder
gelöscht.

Eine administrative Beschlagnahme ist zur polizeilichen
Gefahrenabwehr in einigen Polizeigesetzen der Länder vorgesehen, allerdings nur
für bewegliche Gegenstände. Es besteht jedoch kein nationales Rechtshindernis,
dieses Instrument geldwäscherechtlich auf Immobilien auszudehnen. Das
Anti-Geldwäscherecht oder das Finanzmarktaufsichtsrecht ist seinem Charakter
nach nichts anderes als eine spezielle Form des Polizei- und Ordnungsrechts.

Das Übereinkommen des Europarats über Geldwäsche sowie
Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten und über
die Finanzierung des Terrorismus definiert in Art. 1 g) das Einfrieren oder
die  „Beschlagnahme“ relativ weit als ein
vorübergehendes Verbot der Übertragung, Vernichtung, Umwandlung oder Bewegung
von Vermögensgegenständen oder der Verfügung darüber oder die vorüber gehende
Verwahrung oder Kontrolle von Vermögensgegenständen aufgrund einer von einem
Gericht oder einer anderen zuständigen Behörde getroffenen Entscheidung; Es kann
insoweit europarechtlich dahingestellt werden, ob diese Maßnahmen einen
strafprozessual repressiven oder administrativ präventiven Charakter haben.

Deutschland hat bereits zur Verhinderung der Geldwäsche im
Allgemeinen und der Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten im
Besonderen  im KWG (§ 6a) oder im GwG (§
40) bzw. § 12a ZVerwG solche Sofortmaßnahmen mit administrativem Charakter
geschaffen. Es geht jetzt darum, diesen rechtlichen Ansatz auf den
Immobiliensektor auszudehnen.

Zu Absatz 8

Die Eskalierungsstufe des Absatzes 8 steht ebenfalls in
einem Stufenverhältnis zu Abs. 5 und 6. Da sie einen vorläufigen Charakter hat,
kann die angeordnete administrative Beschlagnahme nicht dauerhaft
aufrechterhalten werden. Für den Fall, dass der mit ihr intendierte Zweck
innerhalb der in Absatz 8 geregelten Frist nicht erreicht werden kann und der
Verpflichtete nicht richtig und vollständig Auskunft erteil, muss die
Beschlagnahme aufgehoben und der Sachverhalt einer endgültigen Lösung zugeführt
werden. Dies wird mit einer Fiktion des § 928 BGB (Dereliktion) sichergestellt.
Diese Maßnahme ist im Lichte der engen Voraussetzungen des Absatzes 8 und der
Bedeutung der Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten bei der
Geldwäscheprävention nicht unverhältnismäßig, zumal der Eigentümer diese
Rechtsfolge jederzeit abwenden kann.

Zu Absatz 9

Die Ermächtigungsgrundlage des Abs. 9 soll den nach Abs. 3
berechtigten Stellen ermöglichen, die Höhe des Zwangsgelds nach Abs. 6
festzulegen.

Vorschlag II: Änderung des Beurkundungsgesetzes

Durch eine Änderung
des Beurkundungsgesetzes
ließe sich der alte Rechtszustand, was die früher
obligatorische Abwicklung der Kaufpreiszahlung über Notaranderkonten anbelangt,
wieder herzustellen. Heute werden Grundstücksgeschäfte nicht mehr über
Notaranderkonten abgewickelt. In deutlich weniger als 10% der Fälle findet ein
Zahlungsfluss vom Käufer zum Verkäufer über ein Notaranderkonto statt.
Barzahlungen bei Grundstückskäufen sind, wie die FIU feststellt, inzwischen
weit verbreitet. Nur über diese Bezahlmodi kann jedoch durch den
geldwäscherechtlich verpflichteten Notar Transparenz der Zahlungsströme im
Immobiliensektor hergestellt, die Herkunft der Gelder besser abgeklärt und eine
Papierspur sichergestellt werden. Dadurch wären auch anonyme Barzahlungen
zwischen Verkäufer und Käufer beim Kauf eines Grundstücks ausgeschlossen.
Barzahlungen
für Grundstücksinvestments sind auch nach der vom BMF in
Auftrag gegebenen Dunkelfeldstudie von Prof. Bussmann, immer stärker
verbreitet. Barzahlungen aus Drittstaaten, die aus dubiosen Quellen stammen,
gelangen zudem aufgrund formal gehandhabter Bargeldkontrollen des Zolls an den
Außengrenzen nach dem Zollverwaltungsgesetz leicht nach Deutschland und werden
in den deutschen Immobilienmarkt investiert. Vom Instrument der vorläufigen
Sicherstellung solcher Bargeldbeträge zur Abklärung der Herkunft dieser
Barmittel macht die FIU nur in wenigen Einzelfällen Gebrauch.[3]

Die Abklärung der Zahlungsströme bei der
Kaufvertragsabwicklung durch Notare ist neben der Abklärung der wirtschaftlich
Berechtigten nach internationalen Erfahrungen (FATF) und selbst nach den
Anwendungsempfehlungen der Bundesnotarkammer[4] das
wichtigste Erkenntnismittel für Notare, auf auffällige bzw. verdächtige
Geschäfte zu stoßen und diese ggf. über eine Verdachtsanzeige an die Financial
Intelligence Unit (FIU) zu melden.

Dieses Erkenntnismittel besitzen Notare durch das geänderte Beurkundungsgesetz
nicht (mehr). Dies ist ein wesentlicher Grund dafür, dass  – neben der bisher nicht stattfindenden  geldwäscherechtlichen Aufsicht nach § 50 I
Nr. 5 GwG durch die Präsidenten der Landgerichte über Notare -, das
Meldeaufkommen bei Notaren gering ist.

Von Vorteil ist
auch, dass die standardisierte, technische Abwicklung der Bezahlung des
Kaufpreises vom Käufer an den Verkäufer durch den Notar über Notaranderkonten
im Regelfall keine Tätigkeit darstellt, die als Rechtsberatung des Notars
anzusehen ist und damit, von sicherem Wissen über die Nutzung des
Mandatsverhältnisses zum Zweck der Geldwäsche abgesehen  – einer Verdachtsmeldung nicht
entgegenstünde. Die von BMF intendierte 
Zunahme von Verdachtsmeldungen nach § 43 Abs. 1 GwG aus dem Kreis der
Notare ließe sich so erreichen und zusätzlich anonyme Barzahlungen des
Kaufpreises aus illegitimen Quellen besser verhindern.

In den als
Artikelgesetz ausgestalteten Gesetzesentwurf sollte deshalb ein zusätzlicher
Artikel
aufgenommen werden:

Änderung des
Beurkundungsgesetzes

Das Beurkundungsgesetz vom 28. August
1969 (BGBl. I S. 1513), das zuletzt durch Artikel 11 Absatz 14 des Gesetzes vom
18. Juli 2017 (BGBl. I S. 2745) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:

  1. In der Inhaltsübersicht werden im 6. Abschnitt (Verwahrung) in §
    57 die Wörter „Antrag auf“ gestrichen:
  1. § 57 wird wie folgt geändert:
  1. In der Überschrift werden die Wörter „Antrag
    auf“ gestrichen.
  • § 57 Absatz 1 wird wie folgt gefasst:

„Der vereinbarte
Kaufpreis für den Erwerb eines Grundstücks ist vom Käufer auf ein
Notaranderkonto im Zusammenhang mit der notariellen Beurkundung des Vertrages
über die Überlassung und dem Erwerb eines Grundstücks zu bezahlen und vom Notar
nach Erfüllung der im Kaufvertrag getroffenen Bedingungen an den Verkäufer
weiterzuleiten.“

  • § 57 Absatz. 2 Nr. 1wird wie folgt gefasst

„ Soweit Geld nicht
auf einem Notaranderkonto im Zusammenhang mit der notariellen Beurkundung eines
Vertrages über die Überlassung und dem Erwerb eines Grundstücks
entgegenzunehmen ist, darf der Notar Geld zur Verwahrung nur entgegennehmen,
wenn

1. hierfür ein
berechtigtes Sicherungsinteresse der am Verwahrungsgeschäft beteiligten
Personen besteht,“

d) der bisherige
Absatz 1 wird Absatz 3,

e) der bisherige
Absatz 3 wird Absatz 4,

f) der bisherige
Absatz 4 wird Absatz. 5,

g) der bisherige
Absatz 5 wird Absatz 6.

Begründung:

Das Notaranderkonto
wird bei der Abwicklung von Immobilienkaufverträgen in Deutschland nur noch in
Ausnahmefällen genutzt. Die Nutzung von Notaranderkonten ist aufgrund einer
Gesetzesänderung durch das Dritte Gesetz zur Änderung der Bundesnotarordnung
und anderer Gesetze vom 30.8.1998 (BGBl. I S. 2585)
zum Auslaufmodell geworden. Das mit diesem Gesetz ebenfalls
geänderte Beurkundungsgesetz enthält in § 57 (§ 54a aF) die für die Einleitung
des notariellen Verwahrungsverfahrens erforderlichen Regelungen. Danach darf
ein Notar ein Anderkonto nur noch einrichten, wenn ein „berechtigtes
Sicherungsinteresse“ gegeben ist.

Dies bedeutet, dass
selbst wenn die Vertragsparteien ein Notaranderkonto zur Abwicklung der
Kaufpreiszahlung wünschen, sich der Notar dem Wunsch widersetzen muss, wenn er
kein besonderes Sicherungsinteresse erkennt.

Der Kaufpreis wird
nach Erfüllung der im Kaufvertrag getroffenen Bedingungen vom Käufer in der
Praxis unmittelbar an den Verkäufer bezahlt. Eine Übersicht über die
Zahlungsströme zwischen Käufer und Verkäufer hat der Notar dadurch nicht mehr.
In Zusammenhang mit der gegenwärtig festzustellenden Nutzung des überhitzten
Immobilienmarkts für Geldwäschezwecke ist die Verbannung der Zahlungsströme in
die Intransparenz dysfunktional für die Verhinderung der Geldwäsche.

Der damalige
Gesetzgeber hat bei der geschilderten Gesetzesänderung die gewachsene Rolle der
freien Berufe bei der Verhinderung der Geldwäsche im Zuge der Umsetzung der
Dritten und Vierten EU-Geldwäscherichtlinie nicht überblicken können. Notare
sind – neben Banken – bei der Erkennung auffälliger Geschäftsbeziehungen durch
den physischen Mandantenkontakt und der Möglichkeit, auffällige Zahlungsströme
mit großem Volumen, wie sie im Zusammenhang mit Grundstückkäufen anfallen, zu erkennen,
zur unverzichtbaren zweiten
Präventionslinie
geworden.

Über das
Notaranderkonto konnte ein Notar der Papierspur folgen und in Erfüllung seiner
geldwäscherechtlichen Pflichten die Geldströme und die Herkunft der Gelder
(z.B. aus sog. Hochrisikoländern) analysieren. Die Analyse von Geldströmen
zwischen Verkäufer und Käufer trägt maßgeblich 
zum Erkennen von verdachtsrelevanten Sachverhalten bei.  Die Bundesnotarkammer hat zur Ausfüllung
dieses Vakuums letztmals im März 2018[5]
Anwendungsempfehlungen herausgegeben, die den Notaren als Hilfestellung und
Leitfaden zur Anwendung des Geldwäschegesetzes dienen sollen, aber nicht die
obligatorischen Anwendungsempfehlungen der zuständigen Aufsichtsbehörde
ersetzen.  Die dort genannten
geldwäscherelevanten Indikatoren beziehen sich bezeichnenderweise zum großen
Teil auf Zahlungsströme über Anderkonten, mithin auf Sachverhalte, die in der
deutschen Praxis gar keine Rolle mehr spielen.

Die Gesetzesänderung
hatte den Nebeneffekt, dass es durchaus üblich geworden ist, Grundstückskäufe
zwischen den Vertragsparteien bar abzuwickeln, ohne dass hiervon der Notar
Kenntnis erlangt. In Spanien war diese Methode lange eine der gebräuchlichsten
Formen der Geldwäsche. Prof. Bussmann weist in seiner für BMF im Jahr 2016
erstellten  Dunkelfeldstudie zutreffend
darauf hin, dass Geldwäsche über Bartransaktionen eine der nach wie vor
verbreitetsten Methoden auch bei Immobiliengeschäften ist. Vor dem Hintergrund,
dass der Umlauf der von der Bundesbank emittierten Euro-Banknoten in den
letzten Jahren – aus Sicht der Bundesbank 
„nachfragegetrieben“ – weiter stark gewachsen ist[6], hat
hier der Gesetzgeber durch die Änderung des Beurkundungsgesetzes für die
Geldwäsche unbewusst Tür und Tor geöffnet. Nach einer Studie von Europol spielt
Bargeld für Geldwäschezwecke nach wie vor eine zentrale Rolle.[7]
Es ist Zeit, das Eintrittstor für Geldwäsche bei Grundstückskäufen durch den
Gesetzgeber wieder zu verschließen und die Zahlungsströme bei Grundstückskäufen
wieder transparent zu machen.“

III. Untergesetzliche
Maßnahmen

Schwarzgeld wird in
Millionenhöhe bar nach Deutschland verbracht, in Immobilien investiert und der
Zoll schaut zu – Für eine bessere Verzahnung 
von Barmittelkontrolle an der Grenze und operativen Analysen der FIU

Nach Artikel 3 der „Verordnung
(EU) 2018/1672 vom 23. Oktober 2018 über die Überwachung von Barmitteln,
die in die Union oder aus der Union verbracht werden, und zur Aufhebung der
Verordnung (EG) Nr. 1889/2005“ sind Reisende an den Außengrenzen der EU
verpflichtet, mitgeführte Barmittel von 10.000 Euro oder mehr beim Zoll zu
deklarieren. Verstöße gegen die Anmeldepflicht können durch Bußgelder
sanktioniert werden. Gelder, bei denen Anhaltspunkte bestehen, dass sie
illegalen Ursprung sind, können sichergestellt werden. Die Verordnung und
begleitende Regelungen im Zollverwaltungsgesetz sind Maßnahmen gegen
Geldwäsche, um über die Finanzströme mit Bargeld, die keine Spuren
hinterlassen, mehr Transparenz zu erhalten sowie die Tatmittel und Erträge der
Geldwäscher verkehrsunfähig durch Einziehung zu machen.

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des
Abgeordneten De Masi und der Fraktion der Linken „Bargeldkontrolle und
Geldwäsche bei Zoll und Bundesbank“ (BT-Drucksache 19/7201 vom 21.1. 2019) zeigt,
wie auch bei der Handhabung der Bargeldkontrolle an den Außengrenzen und die
grenzüberschreitende Barmittelüberwachung der gesetzliche Anspruch bei der
Bekämpfung der Geldwäsche und deren tatsächliche Umsetzung auseinanderfallen,
gesetzlichen Regelungen leicht umgangen werden können und damit ein stumpfes
Schwert sind.

Gewiefte Geldwäscher sind offensichtlich dazu übergegangen,
bemakelte Bargeldbeträge in Euro – selbst bei sechsstelligen Volumina – bei der
Einreise beim Zoll nicht zu verbergen, sondern diese ordnungsgemäß anzumelden
und sich dafür eine Bescheinigung ausstellen zu lassen. Dies betrifft
insbesondere Reisende mit iranischer, chinesischer, lybischer, russischer oder
ukrainischer Staatsangehörigkeit. Bei diesen „Drittstaaten“ handelt es sich um
Länder, die nach den EU-Standards unter Geldwäschegesichtspunkten als
problematisch gelten. Bei den Bargeldeinfuhren aus diesen Ländern handelt es
sich um Sachverhalte, denen Anhaltspunkte für Korruption, Steuerhinterziehung,
Verstöße gegen Devisenvorschriften oder Geldwäsche immanent sind. Gelder können
von einer Bank, etwa in der VR China, zu einer Bank in Deutschland im
internationalen Zahlungsverkehr innerhalb eines Tages unbar überwiesen werden.
Wenn der risikoreiche Weg des Transports von Bargeld „im Koffer“ von der VR
China nach Deutschland zur Vermeidung der Rückverfolgbarkeit der Papierspur
gewählt wird, muss regelmäßig davon ausgegangen werden, dass es sich um
bemakeltes Geld handelt. Es gibt belastbare Tatsachen, dass diese Gelder in den
Immobilienmarkt investiert werden.

Eine Abklärung der deklarierten Beträge auf ihre Herkunft
durch den deutschen Zoll mittels einer Abfrage bei den Financial Intelligence
Units (FIUs) dieser Länder findet jedoch nicht statt , weil es ausweislich der
Antwort der Bundesregierung hierfür entweder keine bilateralen Regelungen gäbe
oder eine solche Abklärung diese Personen der Gefahr hoher Freiheitsstrafen
einschließlich der Todesstrafe aussetzen würde.

Aus der Antwort auf die Kleine Anfrage ergibt sich jedoch
auch, dass in solchen Fällen auf
anderweitige Ermittlungen oder auf vorläufige geldwäscherechtliche Sicherstellungen
der Gelder durch den Zoll gänzlich verzichtet wird (§ 40 GwG)
.
Sicherstellungen unter diesen Umständen hätten nicht nur einen abschreckenden Effekt,
sondern würden der deutschen FIU mehr Zeit geben, den Sachverhalt zu
untersuchen – und dies auch ohne Unterstützung der FIU im jeweiligen
Drittstaat.

Im Ergebnis führt diese Praxis dazu, die die
Überwachung  des grenzüberschreitenden
Barmittelverkehrs in Deutschland und die Implementierung der Anmeldepflicht
beim Zoll zur buchhalterischen Pflichtübung bei der Erfassung von
Barmittelanmeldungen und zur Sanktionierung von formalen Verstößen gegen diese
Pflicht mutiert sind, ohne dass sich der Zoll dabei von einer fundierten
Risikoanalyse bei der Einfuhr von Bargeld leiten ließe. Ein wirksames
Instrument gegen die Geldwäsche stellen sie 
aufgrund ihrer formalen Implementierung nicht einmal ansatzweise dar.

Konsequente Wahrnehmung der geldwäscherechtlichen
Aufsichtsbefugnisse der Präsidentinnen und Präsidenten der Landgerichte über
Notare

Gem. § 50 Nr. 5 GwG
sind die Präsidenten der Landgerichte zuständige Behörde für die Notare
nach § 2 Absatz 1 Nummer 10 GwG. Zuständig ist der Präsident des Landgerichts,
in dessen Bezirk der Notar seinen Sitz hat (§ 92 Nummer 1 Bundesnotarordnung).

Aus diversen Kleinen Anfragen der Fraktion die Linke und der
Fraktion Bündnis 90/Grüne im Deutschen Bundestag ist ersichtlich, dass die
Bundesregierung trotz Rückkoppelung mit den Bundesländern keinerlei
Erkenntnisse darüber besitzt ist, ob und welche Aufsichtsmaßnahmen nach § 51GwG
von den Landgerichtspräsidenten ergriffen wurden. Mit Ausnahme des Landes
Berlin, das nunmehr mehrere Stellen für die Aufsichtstätigkeit über Notare
eingerichtet hat (die Einheit ist noch nicht operabel), hat bisher kein einziges
Bundesland seit Inkrafttreten dieser Norm vor mehr als zwei Jahren entsprechende
Aufsichtsstrukturen  bei den Präsidenten
der Landgerichte geschaffen. So unterlaufen
die Justizbehörden der Länder das GwG.

Von allen Parteien im Deutschen Bundestag und der FIU wird
beklagt, dass das Meldeaufkommen von Notaren in Deutschland (anders als in
einigen anderen Ländern in der EU) marginal ist. Im Jahr 2017 wurden von
Notaren 5 Meldungen nach § 43 Abs. 2 GwG gegenüber der FIU erstattet, von
Banken mehr als 59.000. Im Jahr 2018 erstatteten Notare 8 Verdachtsmeldungen,
Kreditinstitute mehr als 65000.

Dies liegt weniger an der für die Verpflichteten
differierenden Rechtslage. Bei freien Berufen kann nach EU-Recht die
Schweigepflicht nur durchbrochen werden, wenn der Verpflichtete Notar weiß,
dass das Mandatsverhältnis für Geldwäschezwecke genutzt wird. Für andere
Verpflichtete reichen hingegen Tatsachen, die auf Geldwäsche hindeuten, für das
Entstehen der Meldepflicht aus. Verantwortlich für das unzureichende
Meldeaufkommen bei Notaren ist in erster Linie jedoch die nicht vorhandene
geldwäscherechtliche Aufsicht über Notare.

Nach dem GwG haben Notare wie andere Verpflichtete neben der
Meldepflicht eine Vielzahl von Sorgfalts- und Organisationspflichten. Die
Erfüllung dieses Maßnahmebündels hat einen wichtigen präventiven Effekt. Für
Notare spielt insbesondere die Abklärung, Identifizierung und Dokumentierung
des wirtschaftlich Berechtigten bei Grundstückskaufverträgen eine zentrale
Rolle. Diese Pflicht wird in der Praxis formal oder gar nicht erfüllt.

Die bei der
geldwäscherechtlichen Beaufsichtigung der Kreditinstitute und sonstigen
Finanzdienstleister gewonnene Erfahrung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(BaFin) zeigt, dass nur durch eine konsequente Beaufsichtigung der pflichtigen
Unternehmen, vornehmlich durch Prüfungen des Implementierungsstands vor Ort (on
site visits) und die bußgeldrechtliche bzw. strafrechtliche Sanktionierung von
Verstößen, eine ordnungsgemäße Implementierung gewährleistet wird. Eine bloße
Sensibilisierung der Freien Berufe, wie von der Partei Bündnis 90/Die Grünen oder
der FIU vorgeschlagen, reicht nicht aus.

Gem. § 51 Abs. 2 und
3 GwG können die Präsidenten und Präsidentinnen des Landgerichts bei den
verpflichteten Notaren Auskunfts- und
Vorlegungsersuchen sowie Prüfungen
zur Einhaltung der in diesem Gesetz
festgelegten Anforderungen durchführen. Die Prüfungen können ohne besonderen Anlass
erfolgen. Die Aufsichtsbehörden besitzen hierfür wie Finanzmarktaufseher
schrankenlose Betretens- und Akteinsichtsrechte, die ein Staatsanwalt nach der
Strafprozessordnung nicht besitzt.

Die Senatoren und Justizminister der Länder sollten unverzüglich
darauf drängen, dass bei den Landgerichten schnellstmöglich Prüfungsteams gebildet werden und deren
Mitglieder sich hierfür das erforderliche Wissen aneignen. Bis diese Teams
operabel sind, sollten Wirtschaftsprüfer
mit Prüfungen beauftragt werden, falls diese die notwendige Expertise besitzen.
Ein solches Outsourcing der Prüfungsaufgaben ist nach § 51 Abs. 3 GwG
möglich.

Neben diesen Prüfungspflichten haben die
Landgerichtspräsidenten eine Vielzahl von Organisationspflichten
nach dem GwG zu erfüllen. In diesem Zusammenhang muss das Rad nicht in jedem
Landgericht neu erfunden werden. Die Justizministerien sollten bei der
Implementierung von Pflichten, die nur konzertiert in einem Bundesland oder
zwischen den Bundesländern zu handhaben sind bzw. inhaltlich identisch
umgesetzt werden können, durch die Einrichtung
von Arbeitskreisen
in den einzelnen Bundesländern oder durch Abstimmungen über die
Justizministerkonferenz
aus Gründen der Arbeitsökonomie eng
zusammenarbeiten. Dies betrifft u.a:

  • Die statistische Erfassung
    und Dokumentation der Aufsichtstätigkeit (§ 50 Abs. 9 GwG),
  • die Operabilität eines
    Whistleblower-Systems (§ 53 GwG),
  • die Auswertung von
    Auskunfts- und Vorlegungsersuchen sowie Vor-Ort-Prüfungen mit Blick auf
    den Umsetzungsstand und Schwachstellen bei der Implementierung,
  • die Zusammenarbeit
    zwischen Aufsichtsbehörden (§ 55 GwG),
  • die Ausarbeitung
    einheitlicher Standards für interne Sicherungsmaßnahmen (§ 6 GwG),
  • die Zurverfügungstellung
    von regelmäßig aktualisierten Auslegungs- und Anwendungshinweisen für die
    Umsetzung der Sorgfaltspflichten und der internen Sicherungsmaßnahmen nach
    den gesetzlichen Bestimmungen zur Verhinderung von Geldwäsche und von
    Terrorismusfinanzierung (§ 51 Abs. 8 GwG).

[1]             https://www.wpk.de/uploads/tx_templavoila/FIU_Jahresbericht_2018.pdf.

[3]
            BT-Drucksache 19/7208: Antwort
der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten de Masi (die Linke)
et al.

[4]
            Abrufbar unter: https://www.bnotk.de/_downloads/Anwendungsempfehlungen/Anwendungsempfehlungen_zum_Geldwaeschegesetz_BNotK.pdf

[5]
https://www.bnotk.de/_downloads/Anwendungsempfehlungen/Anwendungsempfehlungen_zum_Geldwaeschegesetz_BNotK.pdf

[6]             Deutsche Bundesbank Monatsbericht
März 2018, Seite 52

[7]             Europol
„why is cash still king“ (2015), abrufbar unter
https://www.europol.europa.eu/publications-documents/why-cash-still-king-strategic-report-use-of-cash-criminal-groups-facilitator-for-money-laundering

mafianeindanke beim Fachgespräch ‚Geldwäsche made in Germany‘ im Bundestag


Unser Geldwäsche-Experte Michael Findeisen wird am 6.9. zu Gast bei dieser Veranstaltung sein. Das Gespräch ist öffentlich, vorherige Anmeldung aber nötig. Hier der Veranstaltungstext:

Deutschland ist als Geldwäsche-Paradies bekannt. Geschätzte 100 Milliarden Euro werden hier jährlich gewaschen. Insbesondere der Immobiliensektor zieht kriminelle Vermögen an.

Die Geldwäscheaufsicht im Finanzsektor durch die BaFin ist problembehaftet. Bei der Aufsicht über den Nicht-Finanzsektor, etwa Notare, Immobilienmakler oder Wirtschaftsprüfer besteht ein Vollzugsdefizit. Auch die Financial Intelligence Unit wird ihrem Auftrag nicht gerecht. Das Transparenzregister enthält Schlupflöcher bei den Meldepflichten, die die Datenqualität einschränken. Und die Strafverfolgung benötigt hinreichend Personal, etwa zur Umsetzung der erweiterten Vermögensabschöpfung, sowie ein Unternehmensstrafrecht gegen kriminelle Konzerne.

Bis Januar 2020 ist die fünfte Anti-Geldwäsche-Richtlinie umzusetzen. Deutschland sollte dies nutzen, um mit einem Masterplan Geldwäsche die Finanzkriminalität wirksam zu bekämpfen. Das Fachgespräch bietet Raum zur Diskussion der richtigen Schritte für eine effektive Bekämpfung von Geldwäsche.

Programm

10.00 – 10.10 Uhr Begrüßung

Fabio De Masi, MdB, Stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

10.10 – 10.30 Uhr Input
Geldwäscheparadies Deutschland?
Christoph Trautvetter, Netzwerk Steuergerechtigkeit

10.30 – 10.45 Uhr Input
The Resilient City: real estate and money laundering in Amsterdam
Bas ter Luun, Senior Advisor, Department of Public Order and Safety, City of Amsterdam

10.45 – 12.15 Uhr Diskussion
Wo die Party steigt:
Schwarzgeld im Immobiliensektor

Michael Findeisen, mafianeindanke e.V., ehem. Referatsleiter Geldwäsche im Bundesministerium der Finanzen
Dirk Behrendt, Justizsenator des Landes BerlinSebastian Schlüsselburg, MdA, Rechtspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE
Sebastian Scheel, Staatssekretär für Wohnen in der Berliner Senatsverwaltung

Moderation: Gesine Lötzsch, MdB, Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

12.15 – 13.00 Uhr Pause

13.00 – 14.00 Uhr Diskussion

Geldwäsche-Chaos:
Brauchen wir ein Geldwäsche-FBI?

Sebastian Fiedler, Vorsitzender des Bundes Deut- scher Kriminalbeamter
Frank Buckenhofer, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Zoll

Moderation: Friedrich Straetmanns, MdB, Justiziar der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag

14.00 – 14.40 Uhr Lösungsvorschläge und Diskussion
Masterplan gegen Geldwäsche – Finanzkriminalität bekämpfen

Fabio De Masi

14.40 – 14.45 Uhr Schlussworte

Sebastian Schlüsselburg Gesine Lötzsch

 

Eine Anmeldung ist namentlich mit Angabe des Geburtsdatums aufgrund der Sicherheitsbestimmungen des Deutschen Bundestages bis zum 3. September 2019 über unsere Homepage https://www.linksfraktion.de/termine oder per E-Mail an veranstaltung@linksfraktion.de mit dem Betreff »Geldwäsche« erforderlich.

Für den Einlass ist ein gültiges Personaldokument mit Lichtbild notwendig.

Wo?

Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, Raum E 200
Konrad-Adenauer-Straße 1
10557 Berlin

Volksbank-Mitarbeiter zum Ehrenmafioso ernannt / unsere Protest-Email


Die Mafia wird in Deutschland immer und immer wieder verharmlost.

Sehr häufig erreichen uns Zuschriften empörter Menschen, die um die Gefahr der Mafia-Präsenzen wissen.

Aus gegebenem Anlass haben wir die folgende Email verfasst:

Sehr geehrte Mitglieder des Aufsichtsrates, sehr geehrter Herr Leson,

mein Name ist Sandro Mattioli, ich bin Vorsitzender des Berliner
Vereins mafianeindanke e.V.. Wir engagieren uns seit 2007 gegen Mafiaclans und
Organisierte Kriminalität in Deutschland und Europa und sind entstanden als
Reaktion auf den Sechsfach-Mord von Duisburg. Damals haben Killer eines ’ndrangheta-Clans
sechs Mitglieder eines gegnerischen Clans auf offener Straße erschossen. Dieses
Ereignis hat viele Deutsche geschockt und ihnen deutlich vor Augen geführt, was
Mafia bedeutet, auch in Deutschland.

Der Aachener Zeitung konnten wir entnehmen, dass Thomas Leson, Zweigstellenleiter der Volks- und Raiffeisenbank Region Aachen zum Ehrenmafioso 2020 ernannt worden ist.

Dazu stellen sich uns gewichtige Fragen.

Wie verträgt sich Ihre Funktion in einem genossenschaftlich
organisiertem Geldinstitut mit der positiven Bewertung der Mafia, die Sie, Herr
Leson, als neuer Ehrenmafioso 2020 mittragen?

Wie steht Ihr Arbeitgeber dazu, dass Sie, obgleich auch
scherzhaft, sich einer kriminellen Organisation zugehörig erklären, die nicht nur
tausende Ermordete auf dem Gewissen hat, darunter mehr als tausend Unschuldige,
die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, oder Opfer einer Verwechslung
wurden? Oder die noch als Kinder gezielt getötet wurden, um die Eltern zu
treffen?

Wie vereinbaren Sie es mit Ihrem Gewissen, eine solche
kriminelle Organisation zu repräsentieren, deren Mitglieder das demokratische
Gemeinwesen desavouieren und die die legale Wirtschaft unterjochen, mit Gewalt,
Einschüchterung und Erpressung?

Die mit illegal abgeladenem Giftmüll hunderte Menschen
vergiften?

Wie verträgt es sich mit der Vorstellung einer
gemeinwohl-orientierten Bank, dass Sie, Herr Leson, sich nicht eindeutig von der
Mitgliedschaft in Organisationen  distanzieren,
deren Haupttätigkeit unter anderem Geldwäsche ist, zu deren Prävention Ihr
Arbeitgeber verpflichtet ist?

Diese Liste könnte man noch viel länger führen.

Von einem dem Gemeinwohl verpflichteten Geldinstitut erwarten
wir mehr Sensibilität und fordern Sie, Herr Leson, daher dazu auf, diese
Ehrenmitgliedschaft mit sofortiger Wirkung abzulegen.

Ferner stünde es dem Karnevalsverein Mafia del Musica gut zu
Gesicht, seinen Namen zu ändern. Am besten wäre es, hier nicht eine
Verbrecherorganisation zu wählen, schließlich käme ja auch niemand auf die
Idee, einen Verein als Waffen-SS des Scherzes benennen. (Und wenn das unbedingt
sein muss, dann machen Sie es wenigstens grammatikalisch korrekt). 

Wir haben diese Nachricht als offenen Brief auf unserer
Homepage veröffentlicht und würden uns über eine Reaktion Ihrerseits und Ihres
Arbeitgebers freuen. Wir dürfen die Organisierte Kriminalität in Deutschland
nicht länger verharmlosen, und leider tragen Sie, Herr Leson, dazu maßgeblich
bei.

Wenn Sie mir eine persönliche Bemerkung erlauben: Ich könnte
es nicht ertragen, mit Menschen in einen Topf geworfen zu werden, die so
aufrichtige Menschen wie die beiden Antimafia-Staatsanwälte Giovanni Falcone und
Paolo Borsellino brutal in die Luft gesprengt haben. Die den Richter Pio La Torre
töteten, nur weil er die Mitgliedschaft in der Mafia unter Strafe gestellt hat.
Die den 15 Jahre alten Giuseppe di Matteo ermordeten, damit sein Vater, der
Kronzeuge Santino Di Matteo, nicht weiter mit der Polizei zusammenarbeitet. Mindestens
neun Journalisten wurden von Mafiaclans wegen ihrer Arbeit ermordet, und viele Kollegen
von mir wie Roberto Saviano müssen in ständiger Angst leben. Hier finden Sie
eine Liste mit unschuldigen Opfern der Mafia, die in Italien jedes Jahr am 21.
März in vielen Städten vorgelesen wird: http://vivi.libera.it/it-ricerca_nomi. Es
braucht mehr als 20 Minuten, sie schnell vorzutragen.

Das alles können Sie nicht gutheißen. Überdenken Sie bitte die
Annahme des Unehrentitels und geben Ihn zurück. Sie können mich gerne
kontaktieren und ich erkläre Ihnen ausführlich, was alles gegen den Titel
Ehrenmafiso spricht, gerade auch in Deutschland.

Mit freundlichen Grüßen,
Sandro Mattioli

Vorsitzender mafianeindanke e.V.

PS: Wir haben uns erlaubt, die Aachener Zeitung CC zu setzen.

mafianeindanke e.V.

c/o bocconcini
Grüne Liga Berlin
Prenzlauer Allee 8
D – 10405 Berlin

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als gemeinnützig
eingetragen beim Finanzamt Berlin-Charlottenburg VR 29003
IBAN: DE48 1007 0024 0348 3575 00  
BIC: DEUTDEDBBER

“Sprecht über die Mafia! Redet über sie, im Radio, im
Fernsehen, in den Zeitungen. Aber sprecht
darüber”

Schwarzgeld wird in Millionenhöhe bar nach Deutschland verbracht – der Zoll schaut zu und die Deutsche Bundesbank weg


Bargeld spielt nach einer aktuellen Untersuchung von Europol bei der Geldwäsche nach wie vor eine zentrale Rolle, obwohl es im Wirtschaftsleben aufgrund der verstärkten Nutzung elektronischer Zahlungsinstrumente (Kreditkarten, Debitkarten) immer mehr an Bedeutung verliert. Um ein Einspeisen von Bargeld mit illegaler Herkunft in den Finanzkreislauf zu verhindern, verpflichtet das Geldwäschegesetz Finanzinstitute und Gewerbeunternehmen, ihre Kunden bei der Zahlung mit Bargeld in bestimmter Höhe zu identifizieren. Dem Zoll stehen Instrumente der Bargeldkontrolle zur Verfügung. Die Antworten der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion „die Linke“ bestätigt nun, dass diese Bargeldkontrollen beim Zoll nur formaler Natur sind und leicht unterlaufen werden können. Die Antworten beleuchten auch, dass die Deutsche Bundesbank mit als größter Emittent von Euronoten in der Eurozone keinerlei Übersicht hat, in welche Länder außerhalb Europas und zu welchem Zweck große Bargeldbestände, die die Bundesbank an große Sortenhändler verkauft hat, fließen und auf welchem Weg diese Gelder an die Bundesbank zurückfließen.

Nach Artikel 3 der EU-Verordnung Nr. 1889/2005 sind Reisende an den Außengrenzen der EU verpflichtet, mitgeführte Barmittel von 10.000 Euro oder mehr beim Zoll zu deklarieren. Verstöße gegen die Anmeldepflicht können durch Bußgelder sanktioniert werden. Gelder, bei denen Anhaltspunkte bestehen, dass sie illegalen Ursprung sind, können sichergestellt werden. Die Verordnung und begleitende Regelungen im Zollverwaltungsgesetz sind Maßnahmen gegen Geldwäsche, um über die Finanzströme mit Bargeld, die keine Spuren hinterlassen, mehr Transparenz zu erhalten sowie die Tatmittel und Erträge der Geldwäscher verkehrsunfähig durch Einziehung zu machen.

Neues Register zeigt: die italienische Mafia in Deutschland ist sogar auf ebay aktiv


Die Vorstellung, die Menschen sich gemeinhin von Mafia-Clans machen, beschränkt sich meist auf deren illegales Tun, auf Drogenhandel, Prostitution, Waffenhandel, Morde, etc.. Dabei bleibt außer Acht, dass die Mafiosi ihre Gelder aus kriminellen Geschäften waschen und investieren. Häufig benutzen sie dazu Unternehmen, auch in Deutschland. Diese aufzuspüren wird von morgen früh, 6. Februar, um zehn Uhr an etwas einfacher: Unter offeneregister.de kann man die öffentlich zugänglichen Daten aus dem deutschen Handelsregister einsehen. Während das offizielle Register nur die Suche nach Firmennamen erlaubt, bietet die neue Seite mehr Möglichkeiten. So findet man über sie etwa auch die Namen von Geschäftsführern. Die britische NGO Open Corporates hat die Daten gesammelt. Die Open Knowledge Foundation Deutschland stellt die Infrastruktur für die Abfrage.

mafianeindanke hatte die Möglichkeit, die Datenbank im Vorfeld zu testen. Tatsächlich finden sich viele Unternehmen von Mafiosi in den Daten. Darunter befinden sich erwartungsgemäß zahlreiche in der Gastronomie aktive Unternehmen, etwa Betreiber von Restaurants. Auch stößt man auf eine auffällige Häufung aus mafiösen Kontexten bekannter Namen im Baugewerbe. Inwiefern die hier eingetragenen Unternehmen tatsächlich einen mafiösen Hintergrund haben, ist im Einzelfall zu klären. Ein Gutteil mafiöser Unternehmen dürfte sich zusätzlich hinter einer Registrierung auf die Namen von Strohmännern verstecken. Das neue Register ist daher nur ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz.

In ihm finden sich auch überraschende Ergebnisse wie das eines Stuttgarter Handelsunternehmens, das auf Ebay rege Haushaltsartikel verkauft, von Seifenspendern über Wäscheleinen bis hin zu einer magischen Geburtstagskerze mit Musik. Als Geschäftsführer ist eine Person mit einer Adresse in Kalabrien eingetragen. Das Nachbarhaus erhielt weltweite Berühmtheit, weil dort ein lange flüchtiger, hochrangiger Mafiaboss aus seinem Geheimversteck herausgeholt und verhaftet worden war. Und in der Tat ist auch der Geschäftsführer des Stuttgarter Händlers von Kronzeugen eindeutig als Mafia-Mitglied identifiziert worden. Eines der Produkte, das er anbietet, ist übrigens ein Geldschein-Prüfgerät für 7,39 Euro inklusive Versand.

Link: Unterstützen Sie die Arbeit von mafianeindanke bitte mit einer Spende.

Flaut der Kampf gegen Geldwäsche weltweit ab? // Baseler Institute on Governance stellt Anti-Money-Laundering (AML)-Index 2018 vor


Das an die Baseler Universität (Prof. Mark Pieth) angedockte gemeinnützige Baseler Institute of Governance (Institut) untersucht jedes Jahr anhand von 14 Indikatoren mehr als 100 Länder, wie diese mit Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung umgehen bzw. wie anfällig sie gegen diese Übel sind und dadurch ein Risiko für andere Staaten darstellen, mit denen sie über Handelsbeziehungen und Zahlungssysteme verbunden sind. Im Oktober hat das Institut seinen neuesten Bericht vorgestellt. Der Jahresbericht fällt ernüchternd aus.

Das Institut sieht weltweit deutliche Verschlechterungen im Ranking der Nationalstaaten. Das Ranking des Instituts geht von 0 (kein Risiko) bis 10 (hohes Risiko). Selbst früher als Musterschüler bewertete Länder wie Dänemark und die Niederlande wurden nun mit deutlich schlechteren Ergebnissen evaluiert. Aus europäischer Sicht beunruhigend ist die Liste der diesjährigen Verlierer. Von den zehn Ländern mit den größten Indexeinbußen stammen acht aus Europa. Vier der größten Absteiger (Dänemark, Island, Slowenien und Portugal) wurden in den vergangen zwölf Monaten erstmals nach der verschärften FATF-Methode geprüft.

Eigene Untersuchungen vor Ort in den geprüften Ländern stellt das Institut bei der Ausarbeitung des Index nicht an. In den Index des Instituts gehen die Ergebnisse der Länderprüfungen der FATF1 ein, soweit diese in der gegenwärtigen Prüfungsrunde vorliegen.2 In die Bewertung wird ebenfalls der Schattenfinanzindex berücksichtigt, der von der NGO „Tax Justice Network“ kontinuierlich zusammengestellt wird. Ebenfalls werden Berichte des US-Außenministeriums zur Situation der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung verarbeitet, die sich aber in erster Linie an Interessen der US-Außenpolitik im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung orientieren.

Einige bislang mit niedrigem Risiko vom Institut bewertete Staaten wie Dänemark, die Niederlande, Polen und überraschend auch Zypern kommen im Index nun schlecht weg. Gründe sind weniger die jüngst in Dänemark (Danske Bank) oder in den Niederlanden (ING-Bank) an´s Licht gekommene Geldwäscheskandale größeren Umfangs, sondern eine Änderung der Bewertungskriterien.

War bisher in dem Index ausschließlich das in den Staaten bestehende rechtliche Rahmenwerk gegen Geldwäsche berücksichtigt worden, hat die nun auch von der FATF postulierte Priorisierung auf die tatsächliche Umsetzung der gesetzlichen Maßnahmen klar gemacht, dass es mit der Geldwäschebekämpfung nicht so weit her ist, wie früher vermutet. Es sei zu befürchten, dass viele Regierungen den Kampf gegen Geldwäsche zurückfahren würden und Arbitrageeffekte und Lücken bsp. bei der EU-Geldwäscherichtlinie ausnutzten.

Die überwiegende Mehrheit der Länder, die in den vergangenen zwölf Monaten nach der verschärften Methode der FATF geprüft wurden, tauchen jetzt mit „dramatisch tieferen“ Bewertungen im Index auf. Der Index gewichtete die Umsetzung der Maßnahmen zur Verhinderung von Geldwäsche doppelt so hoch wie die in einem Staat getroffenen Maßnahmen. Tatsächlich seien in der Mehrzahl der unter der neuen FATF Methode bewerteten Länder die Polizei- und Strafverfolgungsbehörden gar nicht oder nur in einem sehr geringen Maße nachweislich in den Kampf gegen Geldwäsche involviert. Die Staaten versteckten sich hingegen hinter formal existenten, wenig tauglichen und bei Beratungsunternehmen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften von der Stange gekauften Compliance-Systemen in Banken und Industrieunternehmen, die der Geldwäscheprävention einen ernsthaften Anstrich geben würden, merkt das Institut zutreffend an.

Erfreulich ist, dass das Institut aufgrund der desolaten Situation den jüngsten Vorschlag der Europäischen Kommission unterstützt, die Geldwäsche-Aufsicht in den einzelnen EU-Staaten über eine Ausweitung des Mandates der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) zu verschärfen. Eine ähnliche Forderung hatte „Mafia? Nein Danke“ angesichts der Defizite auf Seiten der nationalen Regulatoren in den EU-Staaten jüngst erhoben.

BOX

Die FATF (Financial Action Task Force) ist das wichtigste internationale Gremium zur Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung. Das 35 Mitgliedsstaaten, 3 Staaten mit Beobachterstatus und zwei internationale Organisationen (Europäische Kommission und Gulf Cooperation Council) umfassende Gremium domiziliert bei der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) in Paris. Die FATF besitzt Regionalgruppen u. a. in Asien, Europa, dem Vorderen Orient und Afrika. Wichtige internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds, die Weltbank oder Substrukturen der Vereinten Nationen arbeiten in der FATF mit. Deutschland gehört zu den Gründungsmitgliedern dieser im Jahr 1989 von den G 7-Staaten und der EG-Kommission gegründeten Expertengruppe. Hauptziel der FATF ist die Entwicklung und Förderung von Grundsätzen zur Bekämpfung und Verhinderung der Geldwäsche, der Terrorismusfinanzierung und andrer Delikte, die die Integrität der Finanzmärkte bedrohen. Sie sorgt für die weltweite Verbreitung dieses Ansatzes und überwacht seine Umsetzung in den Mitgliedstaaten. Hierzu hat die FATF Mindeststandards gegen Geldwäsche verabschiedet, die seit 1990 mehrfach aktualisiert worden sind (»40 Empfehlungen vom 16. Februar 2012«3).

Die 40 Empfehlungen legen erstmalig einheitliche Verhaltensregeln und Maßstäbe für den gesamten Finanzsektor und für alle beteiligten Personen und Berufsgruppen des Nicht-Finanzsektors sowie für die Verfolgung der Geldwäsche und der internationalen Zusammenarbeit in diesem Bereich fest. In die Überarbeitung der Standards fließen neue Erkenntnisse, Typologien und Entwicklungen auf dem Gebiet der Geldwäschebekämpfung ein.

Obwohl die politischen Standards der FATF nicht unmittelbar bindendes Recht sind, erkennen sie bislang mehr als 130 Länder als verbindlich an. Bei den Empfehlungen und Erklärungen der FATF handelt es sich um »soft law«, die keine unmittelbare rechtsverbindliche Wirkung entfalten aber ihre Legitimität durch Zustimmung der Mitgliedstaaten erhalten. Diese haben sich verpflichtet, diese Empfehlungen und Erklärungen der FATF in ihr nationales Recht umzusetzen. In der Europäischen Union werden diese Standards für die Mitgliedsstaaten jedoch rechtlich verbindlich über Richtlinien (EU-Geldwäscherichtlinie) und EU- Verordnungen umgesetzt. Die EU-Geldwäscherichtlinie ist in ihrem Inhalt inzwischen strikter als die FATF, reduziert stärker Ermessenspielräume und fokussiert deutlicher auf neue Geldwäscherisiken wie virtuelles Geld (bitcoins).

Die Umsetzung der FATF-Standards wird in einem regelmäßigen Länder-Prüfungsverfahren durch die FATF überprüft. Seit kurzem wird nicht nur geprüft, ob das geprüfte Land die Standards der FATF in sein Rechtssystem übernommen hat, sondern wie diese Standards in der Praxis umgesetzt werden. Die Prüfungsberichte werden auf der Website der FATF veröffentlicht. Länder, die diese Standards nicht erfüllen, können von der FATF auf eine „Schwarze Liste“ von Hochrisikoländern gesetzt werden, was mit einem erheblichen Reputationsrisiko für den jeweiligen Wirtschaftsstandort verbunden ist. Erfüllen Staaten die Standards der FATF nicht, kann die FATF ihre Mitgliedsstaaten anhalten, den Zahlungsverkehr mit einem solchen Staat Restriktionen und einem verstärkten Prüfungsmechanismus für Risikofaktoren zu unterwerfen.

Die von der FATF bei der Eindämmung der weltweiten Geldwäsche ohne Zweifel erzielten Erfolge werden dadurch geschmälert, dass Abstimmungen über Mindeststandards und deren Weiterentwicklung aufgrund der hohen Zahl der Mitgliedsstaaten, der unterschiedlichen Interessen und des Abstimmungsverfahrens (Konsensualprinzip) zeitaufwendig und schwerfällig sind. Die FATF ist auch nicht in der Lage, Vor-Ort-Prüfungen in den Ländern als Stichprobenprüfungen durchführen und dadurch belastbare Erkenntnisse über den tatsächlichen Stand der Umsetzung zu gewinnen. Sie muss auf der Basis der von den Staaten zuglieferten Zahlen und Fakten ihre Bewertungen im Rahmen der Länderberichte „nach Aktenlage“ vornehmen. Hinzu kommt, dass die personellen Ressourcen des FATF-Sekretariats beschränkt sind und deshalb finanzstarke FATF-Länder das Personal mit „Experten“ verstärken müssen. Großmächte wie die USA spielen in der FATF eine dominierende Rolle, was sich u. a. in der Prioritätensetzung bei den Aufgaben der FATF und der Bewertung von Hochrisikoländern (Nordkorea, Iran) bemerkbar macht.

1 Zur FATF vgl. BOX

2 Für Deutschland ist dies nicht der Fall. Deutschland wird frühestens 2019 von der FATF geprüft

3 Die im Jahr 2012 letztmals aktualisierten 40 Empfehlungen sind herunterladbar unter
www.fatf-gafi.org.

 

BaFin setzt einen Sonderbeauftragten bei der Deutschen Bank zur Überwachung der Umsetzung der Maßnahmen gegen Geldwäsche ein


Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat am 25.9.2018 mitgeteilt, dass sie einen Sonderbeauftragten bei der größten deutschen Bank eingesetzt hat. Dieser soll die Umsetzung der von der BaFin angeordneten Maßnahmen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung beim Institut überwachen.

Es ist zwar das erste Mal, dass die BaFin eine solche aufsichtsrechtliche Maßnahme bei einer Bank im Bereich der Geldwäscheprävention anordnet. Seit Jahren steht jedoch die Bank beim Heimatlandaufseher BaFin, der US-amerikanischen bzw. der britischen Aufsicht wegen ihrer Defizite bei der Verhinderung der Geldwäsche in der Kritik. In Deutschland und den USA wurden deshalb gegen die Bank Geldbußen in Millionen- bzw. (in den USA) sogar in Milliardenhöhe verhängt.

Als Sonderbeauftragter wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG eingesetzt, weil die BaFin bzw. die Deutsche Bundesbank dafür kein qualifiziertes Personal vorhält. Ein Manko, das auf Seiten der Aufsicht schnellstens behoben gehört. Ob die KPMG die hierfür geeignete Institution ist, ist fragwürdig, zumal Interessenkollisionen nicht auszuschließen sind: Die KPMG ist aktuell wieder als Jahresabschlussprüfer im Auftrag der Bank tätig.

Zwar wird davon ausgegangen, dass die Maßnahme keinen konkreten Anlass zum Gegenstand hat und nicht im Zusammenhang mit den aktuellen Geldwäscheskandalen bei der dänischen Danske Bank, der holländischen INB und weiteren europäischen Banken steht. Wenn aber die Deutsche Bank in Reaktion auf die von der BaFin getroffene Maßnahme selbst davon ausgeht, dass ihre Anti-Geldwäschemaßnahmen, gerade im Investmentbanking „verbesserungswürdig“ sind, heißt dies auch, dass die Bank – ebenso wie die BaFin – davon ausgehen, dass bisher unbekannte Geldwäscherisiken im Institut schlummern und der Bank ein solcher Skandal jederzeit ebenfalls drohen kann.

Die sich häufenden Skandale im europäischen Finanzsektor bei der Umsetzung der europarechtlichen Maßnahmen gegen Geldwäsche belegen aus der Sicht von „Mafia- Nein Danke“ zweierlei:

Der Finanzsektor spielt nach wie vor aufgrund seines breiten Angebots von Finanzdienstleistungen, insbesondere als Kapitalsammelstelle und als Intermediär im nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr für Geldwäscher eine Schlüsselrolle. Die auf Schnelligkeit und Qualität ihrer Services beruhende Attraktivität von Bankdienstleistungen kann schon aus logistischen Gründen nicht vollständig durch die Einschaltung von Nicht-Finanzunternehmen, Schattenmärkten und illegalen Transfersystemen im Untergrundkapitalismus ersetzt werden. Obwohl sich, nicht zuletzt durch die Wirkung bankinterner und aufgrund der von der Aufsicht in den einzelnen Nationalstaaten geforderten Sicherungsmaßnahmen, bestimmte, eher simple Methoden der Geldwäsche (Bareinzahlungen) teilweise auf andere Unternehmen verlagert haben. Für den Prozess der Geldwäsche stehen Banken sowohl bei der Einschleusung illegaler Gelder in den legalen Finanzkreislauf als auch bei der Verschleierung bereits im Finanzkreislauf befindlicher, illegaler Erträge nach wie vor im Fokus. Dies betrifft aufgrund der Geldwäscherisiken von vielen Finanzprodukten im Prinzip jede Bank.

Die besorgniserregenden Entwicklungen auf gesamteuropäischer Ebene stehen im Widerspruch zu der von Opposition und Medien in Deutschland ständig wiederholten Einschätzung, der zufolge im europäischen Zusammenhang (ausschließlich) Deutschland „als Geldwäscheparadies“ gilt und die dabei vornehmlich den Nicht-Finanzsektor, insbesondere den Immobilienmarkt, im Blickwinkel hat.

 

Eine wirksame Verhinderung der Geldwäsche wird durch ein allgemeines Vollzugsdefizit in der Europäischen Union ausgebremst


Das Jahr 2018 scheint in Sachen Geldwäschebekämpfung unter keinem guten Stern zu stehen. Die baltischen Staaten sind wegen einer Reihe von Bankenskandalen um Geldwäsche in den Schlagzeilen. In der Vergangenheit standen lettische Banken wiederholt im Verdacht, Gelder aus illegalen Quellen entgegengenommen und weitertransferiert zu haben. Zuletzt geriet im Februar 2018 die damals drittgrößte Bank ABLV wegen Geldwäsche ins Visier von US-Finanzbehörden und der Europäischen Zentralbank (EZB).In der Zwischenzeit wurde ihr die Lizenz entzogen. Die ABLV ist kein Einzelfall. Nach Angaben der lettischen Finanzaufsicht gab es Anfang März 2018 unter den Kunden der Banken in dem baltischen Staat mehr als 26.000 Briefkastenfirmen, die keine Geschäftstätigkeit in diesem Land entfalteten. Diese dienen häufig dazu, den wahren Eigentümer oder die Herkunft von Vermögenswerten zu verschleiern

Im Nachbarland Estland war im April 2018 die Versobank an der Reihe. Ihr ist zwischenzeitlich auch die Lizenz entzogen worden. Sie ist eine estnische Tochtergesellschaft der größten dänischen Bank, der Danske Bank. Ihr wird vorgeworfen, mehr als 8 Milliarden Euro gewaschen zu haben. Einige Danske-Manager sind deshalb zurückgetreten, der Kurs der Bank ging in den Keller und die dänische Regierung bekundete, die Gewinne aus den mit Geldwäsche verbundenen Geschäften beschlagnahmen zu wollen. Der Sachverhalt ist noch nicht völlig aufgeklärt; Zwischenberichte lassen vermuten, dass das Volumen der gewaschenen Gelder noch größer ist als bisher bekannt. Ein Whistleblower soll die Konzernzentrale bereits 2013 auf den Sachverhalt aufmerksam gemacht haben. Geschehen ist aber nichts.

Die EU-Bankenaufsichtsbehörde (EBA)1 hat im Juli 2018 Malta eine mangelnde Umsetzung der EU-Geldwäscherichtlinie vorgeworfen. Es gebe „allgemeine und systematische Unzulänglichkeiten“ bei der Anwendung der EU-Regeln. Die EBA hatte das Vorgehen der Malteser Behörde zur Ermittlung von Geldwäsche (FIAU) bei der Untersuchung von Verdachtsmomenten bei der Pilatus Bank überprüft. Die im Oktober 2017 ermordete Journalistin Caruana Galizia hatte einen Korruptionsskandal bei der Pilatus Bank aufgedeckt und dem Institut Geldwäsche vorgeworfen. Demnach soll der maltesische Ministerpräsident Joseph Muscat unter anderem Bestechungsgelder aus Aserbaidschan kassiert haben. Die Einlagen bei der Pilatus Bank sind derzeit eingefroren. Die Behörden in Malta hatten bis Anfang 2018 keine Maßnahmen gegen die Pilatus Bank getroffen, obwohl schon 2016 Verdachtsmomente gegen sie wegen Geldwäsche vorlagen. Die Aufsicht in Malta ging erst nach Sanktionen gegen den Eigentümer der Bank in den USA gegen die Pilatus-Bank vor. Ähnlich wie im Fall Lettlands wurde die nationale Aufsichtsbehörde erst tätig, als US-Behörden –ähnlich wie bei ABLV in Lettland – als weltweite „Ersatzaufseher“ tätig geworden sind. Solche Vorkommnisse werfen ein schlechtes Licht auf die Reputation der Europäischen Bankenunion bzw. und ihrer Institutionen.

Alle aufgelisteten Fälle haben eine gemeinsame Ursache: Sie belegen die unzureichende Überwachung der Umsetzung der EU-Geldwäscherichtlinie und EU-Verordnungen durch die zuständigen Behörden in einzelnen Mitgliedsstaaten der EU. Dass Malta und die baltischen Staaten massive Probleme mit Geldwäsche haben, war nie ein Geheimnis. Die bisherigen Aufsichtsstrukturen, die rein national institutionalisiert sind, weisen offensichtlich Kontrolllücken auf, die auch denjenigen EU-Staaten sowie Instituten und Unternehmen, wo die Umsetzung und die Aufsicht funktioniert, gefährlich werden können, wenn Behörden nicht in der Lage oder willens sind, ihre Aufgaben zu erfüllen.

Die EU-Geldwäscherichtlinie hat Anforderungen an Inhalt, Qualität und Dichte der geldwäscherechtlichen Aufsicht nicht im Fokus

Die Sorgfaltspflichten gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung sind seit der Verabschiedung der ersten Geldwäscherichtlinie für die verpflichteten Institute und Unternehmen immer feinziselierter und dichter geworden. Die geldwäscherechtlichen Anforderungen, wie sie etwa aufgrund der im vergangenen Jahr durch die Mitgliedsstaaten umgesetzte 4. EU-Geldwäscherichtlinie bzw. durch die im Juni 2018 verabschiedete (5.) EU-Geldwäscherichtlinie zu erfüllen sind, sind den gestiegenen Risiken laufend angepasst worden. Es besteht jedoch eine wachsende Diskrepanz zwischen diesen regulatorischen Anforderungen und der tatsächlichen Implementierung durch die Institute bzw. der Überwachung der Umsetzung durch die nationalen Aufsichtsbehörden. Der EU-Kommission ist dieses Problem bewusst. Sie sieht weiteren Handlungsbedarf durch die von ihr festgestellte uneinheitliche Anwendung der bestehenden risikobasierten Kundensorgfaltspflichten in den einzelnen Mitgliedstaaten und des damit einhergehenden unterschiedlichen Umsetzungsniveaus. Von einem level playing field bei der Umsetzung kann nicht die Rede sein. Dieser Vorwurf trifft nicht nur die Adressaten der geldwäscherechtlichen Vorschriften, d. h. die Institute und Unternehmen, sondern in besonderem Maße auch die nationalen Aufsichtsbehörden im Finanzsektor und über sonstige Wirtschaftsunternehmen.

Zwar hat die EU-Geldwäscherichtlinie die EU-rechtlichen Vorgaben die Verpflichtung zur Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten, Verpflichteten und Behörden durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen laufend gestärkt und ausgebaut. Fakt ist aber, das die Art und Weise der geldwäscherechtlichen Überwachung, die Auswahl und Organisation der zuständigen Behörde sowie die Qualität und die Dichte der zeitlichen Überwachungsmaßnahmen den Mitgliedsstaaten nicht vorgeschrieben wird. Sie bleibt grundsätzlich den Mitgliedsstaaten überlassen. Die Generalklausel des Art 48 Abs 1 der Richtlinie sieht lediglich vor, dass die zuständigen Behörden „eine wirksame Überwachung durchführen und die erforderlichen Maßnahmen treffen, um die Einhaltung dieser Richtlinie sicherzustellen“. Diese Regelung wurde lediglich durch EBA-Leitlinien ergänzt. Die Gemeinsamen Leitlinien legen fest, was nach Ansicht der EBA angemessene Aufsichtspraktiken innerhalb des Europäischen Finanzaufsichtssystems sind oder wie das Unionsrecht in einem bestimmten Bereich anzuwenden ist. Die zuständigen Behörden sollen die für sie geltenden Gemeinsamen Leitlinien in geeigneter Weise in ihre Aufsichtspraktiken (z. B. durch Änderung ihres Rechtsrahmens oder ihrer Aufsichtsverfahren) integrieren, einschließlich der Gemeinsamen Leitlinien, die in erster Linie an Institute gerichtet sind.

Wie kann das Problem gelöst werden?

Angesichts des eklatanten Versagens der nationalen Aufsichtsbehörden in einigen EU-Ländern kann das Problem in der Europäischen Union nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden. Darin sind sich Abgeordnete des Europäischen Parlaments, der Europäischen Kommission und auch der Europäischen Zentralbank einig. Es gibt Forderungen aus dem Europäischen Parlament, der Europäischen Zentralbank (EZB) in stärkerem Maße geldwäscherechtliche Aufsichtskompetenzen nach dem einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) zu übertragen. Nach dem SSM ist die Europäische Zentralbank (EZB) seit 2014 direkt für die Bankenaufsicht über signifikante Banken(-gruppen) verantwortlich. Signifikant ist eine Bank (oder eine Bankengruppe) dann, wenn ihre Bilanzsumme mindestens 30 Milliarden Euro umfasst (oder 20 Prozent des nationalen Bruttoinlandsprodukts) und sie zu den drei größten Kreditinstituten des teilnehmenden Staates gehört. Dies gilt jedoch nicht für die geldwäscherechtliche Aufsicht, wofür sich die EZB bei Schaffung des SSM im Jahr 2014 nicht für zuständig und kompetent genug sah, da Geldwäschebekämpfung eine multidisziplinäre Angelegenheit von Aufsichts- und Ermittlungsbehörden sei. Entsprechende Befugnisse sind ihr deshalb im Rahmen des SSM nicht übertragen worden. An dieser ablehnenden Position der EZB hat sich nichts geändert.

Die Überwachung und Durchsetzung der europäischen Geldwäscheregeln gegenüber Banken obliegt zwar bisher formell ausschließlich den Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten sowie der EU-Kommission. Allerdings hat die EZB hat auch die Pflicht, Geschäftsleiter und Aufsichtsräte von Banken hinsichtlich Finanzkriminalität zu überprüfen, bei latenten Risiken zusätzliches Eigenkapital von den Banken zu fordern und ihnen bei schweren Geldwäschevergehen die Lizenz zu entziehen. Deshalb kann es sich die EZB bei den aktuellen Skandalen im Bankensektor nicht einfach machen und allein auf die Zuständigkeit der nationalen Aufsichtsbehörden im Bankensektor verweisen. Eine Verbesserung der Zusammenarbeit und ein optimierter Informationsaustausch zwischen nationaler Aufsehern und der EZB ist daher in jedem Fall vonnöten.

Eine vollständige Kompetenzverlagerung auf die EZB in Sachen Geldwäscheprävention würde jedoch zu kurz greifen. Die EZB hat keinerlei Zuständigkeiten außerhalb des Bankensektors; weder für andere Institute im Finanzsektor wie Versicherungen oder Wertpapierhäuser, noch für die übrigen geldwäscherechtlich Verpflichteten wie Wirtschaftsunternehmen oder freie Berufe, wo die Aufsicht trotz bestehender Geldwäscherisiken noch stärker als im Finanzsektor im Argen liegt.

Deshalb muss die EU-Kommission eine größere Rolle im Kampf gegen Geldwäsche spielen und mehr Informations- und Prüfungsrechte – auch vor Ort – erhalten, um den nationalen Aufsichtsbehörden auf die Finger zu schauen. Ein entsprechender Prüfungsmechanismus der EU-Kommission muss in Zusammenarbeit mit der EBA und anderen Institutionen dafür etabliert werden. Falls Prüfungsfeststellungen ergeben, dass nationale Behörden in den Mitgliedstaaten ihren Pflichten bei der Verhinderung von Geldwäsche im Finanzsektor bzw. Nicht-Finanzsektor nicht erfüllen, sollten Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet werden. Die bereits bestehende Taskforce der Kommission zur Verhinderung von Geldwäsche und Finanzkriminalität muss dafür deutlich mehr Personal und angemessene Mittel erhalten. Was im Kampf gegen Terrorismus personell und materiell bei der EU-Kommission bereits möglich ist, muss im Kampf gegen Geldwäsche genauso möglich sein.

1 Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) als Teil des europäischen Aufsichtsmechanismus soll eine wirksame Regulierung und Beaufsichtigung im europäischen Bankensektor gewährleisten um die Wahrung der Finanzstabilität in der EU und dem Schutz der Integrität, der Effizienz und des ordnungsgemäßen Funktionierens des Bankensektors sicherzustellen.

Die EBA ist Bestandteil des Europäischen Systems der Finanzaufsicht (ESFS), dem drei Aufsichtsbehörden angehören: die Europäische Wertpapier-und Marktaufsichtsbehörde (ESMA), die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA). Die EBA ist unabhängig, jedoch gegenüber dem Europäischen Parlament, dem Rat der Europäischen Union und der Europäischen Kommission rechenschaftspflichtig.

Während die nationalen Aufsichtsbehörden und die Europäische Zentralbank für die Überwachung einzelner Finanzinstitute verantwortlich sind, fällt der EBA in erster Linie die Aufgabe zu, durch die Annahme von verbindlichen technischen Standards und Leitlinien zur Erarbeitung des Einheitlichen Europäischen Regelwerks für den Finanzsektor beitragen. Die Behörde spielt außerdem eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Förderung der Angleichung der Aufsichtspraktiken, mit der eine harmonisierte Anwendung der Aufsichtsregeln sichergestellt werden soll. Daneben hat die EBA den Auftrag, Risiken und Schwachstellen im EU-Bankensektor insbesondere mit Hilfe regelmäßiger Berichte zur Risikobewertung und europaweiten Stresstests zu bewerten.

Weitere Aufgaben im Rahmen des Auftrags der EBA umfassen Nachforschungen über die unzureichende Anwendung des EU-Rechts durch nationale Behörden, Entscheidungsbefugnis in Krisenfällen, Beilegung von Meinungsverschiedenheiten zwischen zuständigen Behörden in grenzübergreifenden Fällen sowie die unabhängige Beratung von Europäischem Parlament, Rat und Kommission.

Michael Findeisen

 

Deutschland und der Schattenfinanzindex


Deutschland belegt auf dem Schattenfinanzindex des Tax Justice Network für 2018 – einer Rangliste der Steuerschlupflöcher weltweit – den siebten Platz; die ersten drei Plätze gehen an die Schweiz, die USA und die Kaimaninseln. Das Tax Justice Network ist ein unabhängiges Netzwerk, das 2003 mit dem Ziel entstand, die soziale Ungleichheit und die Armut in der Welt zu bekämpfen, indem es auf den enormen Reichtum aufmerksam macht, der sich einer Besteuerung entzieht, indem die Anleger ihre Gelder in Steuerparadiese oder Staaten transferieren, die die Geheimhaltung von Finanztransaktionen gewährleisten. Seit 2009 veröffentlicht die Nichtregierungsorganisation alle zwei Jahre einen Bericht mit dem Titel „Financial Secrecy Index“ (wörtlich „Finanzgeheimnisindex“); der diesjährige Bericht ist somit der fünfte dieser Art.

Der Schattenfinanzindex stuft 112 Länder nach ihrem jeweiligen Geheimhaltungsgrad ein, um herauszufinden, wo sich Steuerparadiese und intransparente Hoheitsgebiete befinden, was sich hinter ihrem jeweiligen Bankgeheimnis verbirgt und wo die geheimen Gelder landen. Der Index kombiniert dabei zwei Faktoren: der qualitative Faktor analysiert die Gesetze und Gerichtsbarkeiten der einzelnen Länder, um ihren Geheimhaltungsgrad hinsichtlich Schwarzkonten und Steuerhinterziehung zu ermitteln. Der andere Faktor hingegen bewertet das wirtschaftliche Gewicht des jeweiligen Landes auf globaler Ebene sowie den Umfang der Offshore-Finanztransaktionen innerhalb seiner Grenzen.

Schätzungen zufolge beträgt die Summe des in Steuerparadiesen versteckten privaten Finanzkapitals, das folglich keiner (oder einer geringen) Besteuerung unterliegt, zwischen 21 und 32 Billionen Dollar. Darüber hinaus wird der Betrag der illegalen Geldströme auf 1 bis 1,6 Billionen Dollar pro Jahr geschätzt. Allein die afrikanischen Länder haben seit den 70er-Jahren fast 1 Billion Dollar Kapital ans Ausland verloren. Gleichzeitig betragen ihre Auslandsschulden weniger als 200 Billionen Dollar, sodass Afrika heute ein wichtiger Kreditgeber für den Rest der Welt ist.

Aus dem Schattenfinanzindex ergeben sich verschiedene Erkenntnisse. Vor allem entkräftet er den Mythos, dass sich Steuerparadiese ausschließlich auf entlegenen Inseln finden: Betrachtet man den diesjährigen Index, wird auf den ersten Blick ersichtlich, dass die ersten zehn Plätze von reichen Staaten belegt werden, die in der Welt über großes wirtschaftliches Gewicht verfügen. Diese Tatsache muss man sich bewusst machen, um die beträchtlichen Auswirkungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene zu erkennen und zu verstehen, welche Länder Offshore-Finanzplätze als Geschäftsmodell nutzen.

Deutschland landet in diesem Ranking mit einem mittleren Geheimhaltungsgrad auf dem siebten Platz, besitzt jedoch großes Gewicht auf globaler Ebene, sodass es mehr als 5% des globalen Markts für Offshore-Finanzgeschäfte ausmacht. Deutschland hat zwar kein Bankgeheimnis wie andere Staaten, weist aber Schlupflöcher in der Gesetzgebung auf, die das Land in Kombination mit seiner Geheimhaltung von Steuerdaten zu einem attraktiven Ziel für Anleger machen, die ihre Profite vor dem Fiskus verbergen wollen. Obwohl Deutschland inzwischen Gesetzesvorgaben und Richtlinien umgesetzt hat, um gegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche vorzugehen, enthalten diese Ausnahmen, die eine Strafverfolgung noch komplizierter machen.

Deutsche Unternehmen müssen ihre Unternehmensdaten in einem kostenfreien Unternehmensregister offenlegen, aber viele – auch sehr große – Stiftungen und Gesellschaften, sind davon ausgenommen und fügen der Zivilgesellschaft damit erheblichen Schaden zu. Darüber hinaus ist die Eintragung in das Zentralregister seit der Umsetzung der Anti-Geldwäsche-Richtlinie nur für solche Unternehmen verpflichtend, die direkt (und nicht indirekt) von den tatsächlichen Begünstigten kontrolliert werden, und ein öffentlicher Zugriff auf die Daten ist allein den Behörden vorbehalten oder jenen, die ein berechtigtes Interesse vorweisen können. Deutschland hat bislang bilaterale Verträge mit 63 Ländern über den Austausch von Steuerinformationen und Finanzdaten abgeschlossen, lehnt eine Veröffentlichung dieser Daten jedoch ab.

Die deutsche Regierung scheint zudem nicht ausreichend für diese Problematik gerüstet zu sein: Jahrelange Einsparungen im öffentlichen Sektor und ein damit einhergehender Personalmangel haben dazu geführt, dass die zuständigen Mitarbeiter es nicht schaffen, alle von den Finanzkonten eingehenden Daten auszuwerten, was durch die unterschiedlichen Besteuerungssysteme in den jeweiligen Bundesländern zusätzlich erschwert wird.

Auch in Deutschland ist Geldwäsche infolge der massiv ansteigenden Zahl von Verdachtsmeldungen zu einem wichtigen Thema geworden; um die hohe Anzahl der Strafverfolgungsbehörden zu reduzieren, die sich bisher um diese Meldungen kümmerten, wurde 2016 entschieden, die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (Financial Intelligence Unit, FIU) vom Bundeskriminalamt in die Generalzolldirektion zu verlegen, die dem Finanzministerium unterstellt ist, und die Anzahl der Mitarbeiter in der Behörde zu erhöhen.

Die deutschen Anti-Geldwäsche-Richtlinien scheinen jedoch nicht sonderlich effizient bei der Prävention von Geldwäsche zu sein: Deutsche Großbanken waren bereits des Öfteren in ausländische Gerichtsverfahren wegen Geldwäsche verwickelt und mussten mitunter hohe Bußgelder zahlen, um einer Verurteilung zu entgehen. Von den zahlreichen Meldungen über verdächtige Transaktionen, die beim FIU eingehen, führt zudem letztlich nur 1% zu einer Verurteilung (Zahlen für 2016). Geringe Transparenz herrscht auch hinsichtlich beschlagnahmter Vermögenswerte, zu denen keine differenzierten Statistiken nach Art und Herkunft vorliegen.

Laut der Financial Action Task Force (FATF) lagerten 2010 in Deutschland 1,8 Billionen Dollar auf Konten von Personen mit Wohnsitz im Ausland; Markus Meinzer spricht in seinem Buch „Steueroase Deutschland“ für das Jahr 2013 sogar von 2,5 bis 3 Billionen Dollar an unbesteuertem Finanzvermögen von Ausländern1. In den letzten 10 Jahren hat Deutschland jährlich rund 6 Millionen Euro aus den Kassen der italienischen Mafia beschlagnahmt (offizielle Zahlen), während jedes Jahr in Deutschland Geldwäsche im Wert von 100 Billionen Euro betrieben wird.

Weiterführende Informationen zum Thema

1https://www.financialsecrecyindex.com/PDF/Germany.pdf

Aktuelles zum Geldwäschegesetz


Bei der Geldwäschebekämpfung in Europa gibt es Neuigkeiten: Am 19. Juni dieses Jahres wurde im Amtsblatt der Europäischen Union die “V. Geldwäscherichtlinie 2018/843” vom 30. Mai 2018 veröffentlicht, mit der die Befugnisse der zentralen Meldestellen (Financial Intelligence Units, FIU) der Europäischen Union gestärkt werden. Ziel ist der Schutz des europäischen Finanzsystems vor Geldwäsche und Terrorfinanzierung durch Prävention, Identifizierung und strafrechtliche Verfolgung, die Beaufsichtigung der Nutzung anonym genutzter Zahlungsinstrumente und virtueller Währungen sowie die Begrenzung von Geschäftsbeziehungen oder Transaktionen mit Drittländern mit hohem Risiko.

Außerdem wurde der Anwendungsbereich Geldwäscherichtlinie auf Dienstleistungsanbieter, bei denen virtuelle in echte Währungen und umgekehrt getauscht werden können, Anbieter von elektronischen Geldbörsen, Wechselstuben und Betreiber von Galerien und Aktionshäusern ausgeweitet.

Aber wie steht es denn in Deutschland um die Geldwäschebekämpfung?

Es ist gemeinhin bekannt, dass der Immobiliensektor eine für Geldwäsche sehr anfällige Branche ist. Besonders auf dem derzeit stark wachsenden deutschen Immobilienmarkt wird Geld über Investitionen in Immobilien gewaschen; 7 Prozent der im Jahr 2016 registrierten 563 Fälle von organisierter Kriminalität waren Geldwäschefälle. Laut Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes werden über den Kauf von Immobilien und Grundstücken jährlich Beträge in Höhe von 25 Milliarden Euro gewaschen. Offenbar ist es wohl weiterhin viel zu einfach, die Herkunft von Geschäftsgewinnen zu verschleiern.

Bei der Geldwäschebekämpfung ist in Deutschland also noch einiges zu tun: Wie der Finanzminister gegenüber der WirtschaftsWoche erklärte, müssen die einzelnen Bundesländer mehr Anstrengungen unternehmen, um die Einhaltung der Geldwäschegesetzgebung zu überprüfen. Vor einem Jahr wurde eine Novellierung des Geldwäschegesetzes verabschiedet, um das Problem anzugehen (Geldwäschegesetz vom 26.06.2017); mit der Gesetzesnovelle erhalten Strafverfolgungsbehörden die Befugnis, auf begründeten Verdacht Vermögen einzuziehen, bei denen eine illegale Herkunft anzunehmen ist, auch wenn dafür noch keine stichhaltigen Beweise vorliegen (wenn z.B. nicht bekannt ist, aus welcher konkreten Straftat das Vermögen stammt).

José Andrés Asensio Pagan, Leiter der bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm angesiedelten Zentralen Organisationsstelle für Vermögensabschöpfung, hat kürzlich berichtet, dass dank der Gesetzesnovelle zahlreiche im Besitz Krimineller befindliche Vermögen eingezogen werden konnten: vor nicht allzu langer Zeit konnten z.B. am Flughafen Düsseldorf illegale Vermögen Wert von ca. 8 Millionen Euro eingezogen werden.

Die bundesdeutschen Strafverfolgungsbehörden haben indes weiterhin Schwierigkeiten bei der Beschaffung und Aktualisierung von Informationen zu Anzahl und Größenordnung von Geldwäscheverdachtsfällen auf dem deutschen Immobilienmarkt: deshalb galt der Aufruf von Bundesfinanzminister Scholz in erster Linie den Bundesländern, die allerdings mit erheblichem Personalmangel zu kämpfen haben. Die Grünen haben Olaf Scholz für seine Worte auch stark kritisiert; die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus sagte dazu, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Geldwäsche und wachsendem Immobilienmarkt gäbe und führte dies zu einem guten Teil auf mangelnde staatliche Kontrollen zurück, weswegen es dringend notwendig sei, weitere Reformen zu beschließen.

Mit dem neuen Geldwäschegesetz wurde, auch infolge der Enthüllung der Panama Papers, ein Transparenzregister geschaffen, das allerdings noch nicht bei allen Finanzämtern eingeführt wurde; bislang sind darin 55.504 in Deutschland tätige Unternehmen registriert. In dem Register werden Personen erfasst, die 25 Prozent oder mehr Kapital- oder Aktienanteile an einem Unternehmen, einer Genossenschaft oder einer Stiftung halten und in gleichem Umfang Stimmrechte an dem Unternehmen besitzt.

Allerdings bedarf es bereits jetzt einiger Änderungen und Verbesserungen beim Transparenzregister, wie z.B. einen uneingeschränkten öffentlichen Zugang zum Transparenzregister und ein Recht auf Einsichtnahme in alle nationalen Register. Laut der Finanzexpertin von Transparency International, Marina Popzov, wäre z.B. eine Offenlegung der wirtschaftlich Berechtigten von Unternehmen, Stiftungen und Trusts schon ab einem Anteil von 10 Prozent wünschenswert. Der Bundesvorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, ist da anderer Ansicht: Seiner Meinung nach hat man mit der jetzigen Regelung, die die Identifizierung der Hintermänner von Firmenkonstrukten deutlich vereinfacht, bereits einiges erreicht.

Dem Kampf gegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Steuervermeidung, Steuerbetrug und schädlichem Steuerwettbewerb wird im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung hohe Priorität eingeräumt. Die Partner der Großen Koalition sind sich einig, dieses Problem auch über die Besteuerung der digitalen Wirtschaft anzugehen.

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