Mord an einer bulgarischen Journalistin: der dritte Fall dieser Art in Europa innerhalb eines Jahres


Allein in diesem Jahr mussten wir von drei Mordanschlägen in Europa auf Journalisten lesen. Das dritte Opfer ist Viktoria Marinova, 30, die am 7. Oktober diesen Jahres vergewaltigt und ermordet wurde, während sie im Park joggen war. Das Opfer war Investigativjournalistin und Leiterin des privaten Fernsehsenders TVN mit dem Sitz in Russe, in Nordbulgarien, Ort an dem sie ermordet wurde.
Wie der Innenminister Bulgariens, Mladen Marinov, mitteilte bleiben das mögliche Motiv des Vebrechens und das Mögliche Zusammenhängen mit der Arbeit Marinowas ungeklärt.

Es ist nicht auszuschließen, dass es bei dem Täter dieses Verbrechens um einen Patient einer psychatrischen Einrichtung, die sich in der Nähe des Parks oder einen Sexualstraftäter handle. Der Verdächtigte wurde in Deutschland festgenommen, wo er unmittelbar nach dem Mord hingeflohen ist. Nach dem Verdächtigen wurde bereits wegen anderer Sexual- und Morddelikten gefahndet.

Sicher ist, dass dieser Fall die Problematik der Pressefreiheit Bulgariens in Vordergrund rückt. In dem von Reporters Sans Frontières (Rsf) veröffentlichten Ranking über die Pressefreiheit auf der Welt, erreichte Bulgarien von 180 Plätzen den 111. Platz. Die herrschende Situation in Bulgarien die schlimmste in der EU, weil die Korruption in den Medien die Pressefreiheit stark einschränkt. In einem weiteren Ranking, das in diesem Jahr von Transparency International zu Korruption in den Ländern Europas gemacht wurde, setzt Bulgarien auf Platz 71.

Das was die junge Frau mit den anderen beiden ermordeten Journalisten, Daphne Caruana Galizia im Oktober 2017 und Jan Kuciakd im Februar diesen Jahres, verbindet, mag nicht der Grund für den Mord sein, jedoch ist Fakt, dass sie sich alle mit möglicher Korruption bei der Verwendung von EU-Geldern beschäftigten.
Nur eine Woche vor dem Mord, stelle Marinova in ihrer Sendung Lie Directoreinige Ergebnisse diesbezüglich vor.

Konkret interviewte sie zwei Journalisten, den Bulgaren Dimitar Stoyanov von der Website „Bivol“ und den Rumänen Attila Biro vom Rise Project Romania, die in den Folgetagen bei ihrer journalistischen Recherchen zu Korruption und Missbrauch von EU-Geldern durch die bulgarische Baufirma „Gp Group“ verhaftet worden sind. Die GP Group Joint Stock Company kontrolliert den Vertrieb von Gas und Öl, den Bau von Infrastruktur, den Wohn- und Industriebau sowie das Management von Hotels.

Die Reaktionen

Der offizielle Sprecher der Europäischen Kommission hat Bulgarien um eine „schnelle und gründliche Prüfung“ gebeten. In seiner jüngsten Rede zur Union sagte der Präsident der Kommission, Jean-Claude Juncker: „Wir müssen unsere Journalisten, die auch wichtige Akteure unserer Demokratie sind, besser schützen“ und dass „zu viele Journalisten eingeschüchtert, angegriffen und sogar getötet“ werden.

Am Abend des 8. Oktober gingen Hunderte von Menschen in der Hauptstadt Sofia und anderen bulgarischen Städten auf die Straße, um für eine Untersuchung der Verantwortung für diesen Mord zu fordern, zu der der bulgarische Ministerpräsident Boyko Borissov erklärt hat, dass die Festnahme des Täters eine Frage der Zeit sei, da die Ermittler Spuren seiner DNA haben.


Die Festnahme der Killer von Jan Kuciak

Stattdessen gibt es einige Neuigkeiten über die Ermordung des slowakischen Journalisten Kuciak und seiner Partnerin, über die wir bereits in einigen vergangenen Newslettern gesprochen haben.

Obwohl die Rolle der ’ndrangheta noch nicht bekannt ist, wurden die Täter des Mordes identifiziert und verhaftet: Bei den Täter handelt es sich um den ehemaligen Polizisten Tomas Szabo und der ehemaligen Soldaten Miroslav Marcek. Es wurden auch die italienische Dolmetscherin Alena Zsuzsova, die sie beauftragt hat, und der Unternehmer Zoltan Andrusko, der als Vermittler fungierte, verhaftet. Zsuzsova arbeitete für den slowakischen Geschäftsmann Marian Kocner und hätte mindestens 70 Tausend Euro bezahlt, davon 50 Tausend an die Täter: Sie ist wie die anderen nur das letzte Glied in der Kette hinter diesem Mord, da sie im Namen anderer noch nicht identifizierter Personen gehandelt hätte.

Über das Motiv dieses Mordes gibt es noch keine eindeutigen Antworten, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass Kuciaks Ermittlungen Kocner stören würden, da sie seine Beteiligung an einer Immobilienspekulation offenbart haben, an der er untersucht und anschließend freigesprochen worden war.