Mutmaßliche Mafia-Brandstiftung in Hanau


Es ist schwierig in Deutschland Aussagen darüber zu treffen, was die Mafia-Clans hier eigentlich tun. Selbst teilweise aufwändige Ermittlungen ergeben nicht immer Hinweise auf konkrete Tätigkeiten – auch, weil die Mafiaorganisationen sehr gut darin sind, ihre Geschäfte abzuschirmen und zudem inzwischen kleinere Delikte mit höherem Entdeckungsrisiko weitgehend meiden. Allerdings nicht immer, wie die Brandstiftung an dem wunderschönen, oben noch intakt abgebildeten Lokal zeigt.

Spannend wäre es, zum Beispiel größere Geldwäschegeschäfte in den Blick zu nehmen. Werden diese jedoch mittels Transaktionsketten über Steuerparadiese und Investmentsfonds vorgenommen, so gestalten sich entsprechende Ermittlungen schwierig und langwierig. Finanzströme direkt zu verfolgen ist für die Ermittler schlichtweg unmöglich.

Interessant ist nun die Frage, inwiefern die Mafia in Deutschland weiterhin das Eintreiben von Schutzgeld betreibt. Dieser „Geschäftszweig“ ist ein klassischer der verschiedenen Clans. Im Fall zweier Camorristi im Jahr 2007 in Berlin erfolgte die Erpressung mit einem klassischen Schreiben (und wurde von den Gründungsmitgliedern von Mafia? Nein, Danke! und der Berliner Polizei vereitelt!). Inzwischen haben die Clans ausgefeiltere Vorgehen: Ihnen werden entweder hochpreisige Waren ohne Bezahlung überlassen. Oder sie zwingen Geschäftsleute, etwa Gastwirte, Produkte zu überhöhten Preisen von einem bestimmten Händler zu kaufen.

In Frankfurt fand im vergangenen Jahr ein Gerichtsprozess gegen ein paar ’ndranghetisti statt, die genau diese Masche betrieben und Gastwirte gezwungen haben, überteuerten Wein zu kaufen. Im Rahmen dieses Verfahrens haben Gastwirte belastende Aussagen gemacht. In diesem Jahr brannte es bei einem Gastwirt aus Hanau: sowohl das Restaurant des Italieners als auch das Kassenhäuschen der von ihm betriebenen Minigolfanlage nebenan brannte aus. Die genauen Hintergründe sind noch nicht geklärt, doch eine Brandstiftung ist sehr wahrscheinlich, da das Feuer gleich an zwei Punkten zeitgleich „entstand“. 

Der Gastwirt wird von der Stadt Hanau unterstützt und durfte ohne langwierige Genehmigung seine Wirtstätigkeit in einer Containeranlage fortführen. Das Lokal selbst war nicht sein Eigentum, sondern in kommunaler Hand.

Über eine entschiedene Reaktion der Sicherheitsbehörden wie damals, 2007, in Berlin ist dagegen nichts bekannt. Dass die Mafia ein Lokal eines Belastungszeugens abfackelt, scheint fast Business as usual zu sein.