Kalabriens katholische Bischöfe positionieren sich klar gegen die Mafia


Die ‚Ndrangheta zu bekämpfen, ist eine Aufgabe, die alle angeht, und für die alle an einem Strang ziehen müssen. Umso erfreulicher ist es, dass die katholische Kirche unter Papst Franziskus sich inzwischen voll auf die Seite der Antimafia-Bewegung gestellt hat. Dies ist vor allem deswegen wichtig, weil die Mafia-Organisationen für ihre Rituale wie etwa die „Taufe“ der neuen Mitglieder auf religiöse Symbole zurückgreift und immer wieder auch ihren Heiligen beschwört, den Erzengel Michael (dieser gilt im Übrigen als barmherzig, Bezwinger des Satans und er ist zudem auch der Heilige der Carabinieri). Die Folgen dieser klaren Positionsnahme bekommt jetzt auch ein seit Jahren umstrittener Priester zu spüren.

Dieses Bild zeigt ein Plakat mit dem Titel: „Die ‚Ndrangheta ist das Anti-Evangelium“, es kündigt eine Veranstaltung an, bei der neben kirchlichen Vertretern nicht nur der Präfekt (eine Art Landrat) von Kalabrien, Michele Di Bari, teilnehmen wird, sondern auch Reggio Calabrias Generalstaatsanwalt Federico Cafiero De Raho. Es kündigt die Vorstellung eines Textes an, mit dem sich die katholische Kirche in Kalabrien explizit gegen die ’ndrangheta, die kalabrische Mafia, stellt.

In ihrer Erklärung kritisieren die Bischöfe in ihrem Schreiben den Missbrauch religiöser Symbole aufs Schärfste. Wer Gewalt anwende, Geld verherrliche und nach Macht strebe, habe die christliche Botschaft nicht verstanden, lautet eine der Botschaften des Artikels. Diese Aufnahme stammt übrigens aus der Kirche von San Luca, eine der Hochburgen der ‚Ndrangheta. Gegen den dortigen Priester, Don Pino Strangio,  wurde in der Vergangenheit wegen Unterstützung der ‚Ndrangheta ermittelt, er wurde aber nie deswegen verurteilt. Nun hat die Antimafia-Staatsanwaltschaft in Reggio Calabria erneut Ermittlungen gegen ihn aufgenommen.

Don Pino Strangio ist nicht nur Priester in San Luca, einem Nest am Fuß des Aspromonte-Gebirges, in dem viele wichtige Clans ihre Basis haben, unter anderem die beiden verfeindeten Gruppen, die im August 2007 den Sechsfach-Mord in Duisburg verbrochen haben.

Strangio ist auch Hausherr des alljährlichen Festes zu Ehren der Madonna di Polsi hoch oben in den Bergen über San Luca. Hier kam es in der Vergangenheit regelmäßig zu Treffen von ‚Ndrangheta-Bossen. Der für San Luca und damit für Strangio zuständige Bischof Francesco Oliva machte aber auch hier im vergangenen Jahr unmissverständlich deutlich, dass Mitglieder der ‚Ndrangheta auf diesem Fest nichts verloren haben. Außerdem war deutlich zu erkennen, dass er Distanz zu Don Pino Strangio hält. Francesco Oliva machte deutlich, dass er die Mafia für eine Verbrecherbande hält und somit Mafiosi keine guten Katholiken sein können.