Eine Tagung in Berlin zum Aufbau einer europaweiten Antimafia-Bewegung


In immer stärkerem Maße agieren die italienischen Mafia-Organisationen über Staatsgrenzen hinweg, international, global sogar. Sie zeigen dabei eine erstaunliche Fertigkeit, auch auf unbekanntem Terrain zu expandieren. Aus diesem Grund ist das Voranbringen einer gemeinsamen, europaweiten Antimafia-Bewegung von größter Bedeutung und eine aktuelle Erfordernis. Um an einer europäischen Antimafia-Agenda zu arbeiten, gab es Anfang Februar ein Treffen verschiedener Antimafia-Organisationen in Berlin, die mit dem italienischen Netzwerk Libera zusammenarbeiten. Zwei Tage dauerte die Fortbildung, bei der es vor allem um (Fort-)Bildungsmaßnahmen im Antimafia-Bereich ging.

Zu dem Treffen kam auch der bekannte Priester Don Luigi Ciotti, Gründer der Gruppo Abele, einer Hilfsorganisation für Drogenabhängige und andere Bedürftige, sowie von Libera, dessen Präsident Ciotti bis heute ist. In seiner Eröffnungsansprache erinnerte er an die Worte des Priesters Don Luigi Sturzo, der schon im Jahr 1900 bemerkte, dass die Mafia zwar die Füße in Sizilien haben mag, den Kopf aber, vielleicht, in Rom, und wie sie „immer stärker und gewaltsamer sich gen Norden ausgebreitet habe, bis über die Alpen[…]“ . Heute klingen diese Sätze wie eine Prophezeiung, eine Prophezeiung allerdings, die von vielen aktuellen Ereignissen bestätigt worden ist.

Bei dem Treffen kamen viele Gruppen aus ganz Europa zusammen: Libera-Frankreich, Libera Brüssel, Libera Marseille und die Freunde von Libera aus der Schweiz, und natürlich Mafia? Nein, Danke!. Es wurden viele verschiedene Themen angesprochen. Am ersten Tag stand vor allem das Erinnern im Fokus alse in Mittel der sozialen Gerechtigkeit. Die italienische Antimafia-Organisation Libera ist vor allem bekannt dafür, dass ihre Mitgliedskooperativen von der Mafia beschlagnahmte Felder bewirtschaften. Tatsächlich aber wurde Libera auch durch den 21. März bekannt, in dem in Italien seit vielen Jahren den hunderten unschuldigen Mafia-Opfern gedacht wird. Die Referentin Rosanna Picoco von der entsprechenden Abteilung Libera Memoria berichtete über die Planungen für dieses Jahr und erklärte vor allem die grundsätzliche Bedeutung dieses Gedenkens. Ein weiterer wichtiger Sektor für Libera ist die Bildungsarbeit, vor allem mit Jugendlichen, aber nicht nur. Giuseppe Parente von Libera Educazione berichtete darüber, wie Libera-Freiwillige geschult werden, um an Schulen und Universitäten für die Antimafia werben. Auch Lehrer werden fortgebildet, um mit Aufklärung über die Mafia die Organisierte Kriminalität in Italien zu schwächen.

Ein hochrangiger Jurist eröffnete den zweiten Tag der Fortbildung: Antonio Balsamo, Präsident der ersten Kammer des Berufungsgerichts und der Abteilung für Präventivmaßnahmen vom Gericht in Caltanisetta. Balsamo hat schon als Richter in vielen verfahren gewirkt, die sich gegen die Mafia richteten, oftmals ging es dabei auch um Verstrickungen zwischen Politikern und Mafia-Clans. Er stellte die Instrumente vor, die in einem Rechtsstaat angewendet werden können, um die Organisierte Kriminalität zu bekämpfen und zeigte Mängel in den unterschiedlichen Rechtssystemen Europas auf, etwa die mangelnde Strafbarkeit der Mafia-Zugehörigkeit. Zugleich unterstrich Balsamo die Bedeutung der Zivilgesellschaft, sie müsse wachsam, aktiv und organisiert sein.

Im Anschluss daran sprach Sandro Mattioli, der Vorsitzende von Mafia? Nein, Danke!, über die mafiösen Umtriebe in Deutschland und wie schwierig es ist, deutlich zu machen, dass das Problem sich nicht auf die italienische Community begrenzt, sondern die gesamte deutsche Gesellschaft betrifft. Mattioli betonte dabei auch, dass es ohne die Strafbarkeit der Mafia-Zugehörigkeit nur schwer möglich ist, die Präsenzen der italienischen Banden außerhalb Italiens greifbar zu machen. Dem stimmten auch die Vertreter der anderen Antimafia-Organisationen zu. Sie berichteten reihum von ihren Erfahrungen.

Zum Abschluss der Tagung unterstrich Giulia Baruzzo Giulia Baruzzo von Libera International, dass der 21. März als Tag des Gedenkens an die unschuldigen Opfer der Mafia mehr und mehr zu einem internationalen Gedenktag wird. In diesem Jahr, im 22. Jahr seines Begehens, wird die Hauptveranstaltung in Locri, Kalabrien, stattfinden und zeitgleich in 4000 anderen Plätzen, in Italien wie im Ausland.