Gründung eines europäischen Anti-Mafia-Netzwerk der Zivilgesellschaft in Marseille


Wie können wir mit einer gemeinsamen Strategie in den kommenden 24 Monaten Wirkung im Kampf gegen das organisierte Verbrachen und die Korruption auf europäischer Ebene erzielen und dabei soziale Gerechtigkeit und Legalität fördern?

Dieser Leitsatz hat am Wochenende des 10./11. November 2018 knapp 20 Aktivisten, die einer Einladung von Libera nach Marseille gefolgt waren, intensiv beschäftigt.

Ziel war es, ein Netzwerk von unterschiedlichen Anti-Mafia-Akteuren aus der Zivilgesellschaft zu initiieren und mit diesem einen strategischen Aktionsplan zu entwickeln. Ein ähnlicher Vorstoß, FLAIR, war 2016 gescheitert und man hat daraus gelernt: Diesmal geht es um die horizontale Zusammenarbeit juristisch voneinander unabhängiger Vereine aus verschiedenen europäischen Ländern, die jedoch alle ein gemeinsames Ziel haben: Mafia und Korruption zu bekämpfen. Vorbild ist hier das Lateinamerikanische Netzwerk ALAS, das ebenfalls auf Initiative von Libera entstanden war.

Am selben Wochenende war auch Don Luigi Ciotti, der Gründer von Libera in Marseille, wo dieser große Redner Schulen besuchte und im italienischen Kulturinstitut vor großem Publikum von seiner beeindruckenden Geschichte und Motivation erzählte. Dabei vergaß er nicht zu erwähnen, daß nur 4 Tage vorher auch eine Italienerin, Simona, bei dem Einsturz eines alten Hauses im Armenviertel von Marseille zusammen mit sieben anderen Menschen ums Leben gekommen war.

Aus Deutschland nahmen zwei Vereine teil: mafianeindanke und Eine Welt aus Leipzig. Darüber hinaus waren Vertreter verschiedener Vereine aus der Schweiz, Belgien und Frankreich dabei. Die nächsten Schritte sind nun die Benennung eines verantwortlichen Ansprechpartners pro Organisation, regelmäßige Webmeetings, ein weiteres persönliches Treffen im Februar 2019 bei dem eine Entscheidung für Name und Logo des Netzwerks getroffen und über die politische Agenda entschieden werden sollt, denn bereits Anfang April 2019 soll ein Treffen mit zwei Vertretern der Europäischen Kommission stattfinden.

Parallel wird an Phase II des Projektes „LIBERA IDEE“ gearbeitet, das auch ausserhalb von Italien einen aktuellen Überblick über die Wahrnehmung von Mafia & Korruption verschaffen soll.

Es ist geplant, die Ergebnisse in Deutschland bereits im Mai 2019 einem breiten Publikum zu präsentieren.

Scampia on the road


„Scampia on the road“ ist der Name eines Anti-Mafia-Projekts für Jugendliche, organisiert vom „Centro Giovani Vintola 18“ in Bozen, die Mitte November 2018 bei der Münchner Gruppe von „Mafia? Nein Danke!“ zu Gast waren.

Anhand des Themas Mafia hatten die jungen Südtiroler in den letzten vier Jahren jährlich die Gelegenheit, den harten Kern des Widerstandes gegen die Camorra in Neapel kennenzulernen. Direkt in Scampia, dem sozialem Brennpunkt von Neapel. Ziel des Projekts ist es, Wissen über und gleichzeitig Bewusstsein für das Thema „aktive Bürgerschaft“ zu schaffen. Das kluge und gut durchdachte Projekt besteht aus drei Phasen:

In der ersten Phase werden die Jugendlichen zwischen 16 und 22 auf ihre Reise vorbereitet. Sie lernen die Ziele des Projekts kennen und sie schauen gemeinsam den Film „Scampia è cosa mia“ (Scampia gehört mir!) an, den die Projektteilnehmer aus dem Jahr 2016 erstellt haben. Darüber hinaus treffen sie sich mit Experten aus ganz Italien in Bozen zum Thema Mafia.

In der zweiten Phase fahren sie zusammen nach Scampia, dem berüchtigten neapolitanischen Viertel. Dort haben sie die Möglichkeit, die symbolischen Orte der Legalität in Neapel zu besuchen und auf den ersten in Neapel beschlagnahmten landwirtschaftlichen Gütern (Fondo Rustico „Amato Lamberti“ in Chiaiano) zu arbeiten und in der Werkstatt der Kulturen „Gelsomina Verde“ mitzuhelfen, die Vorreiter im Thema Legalität im Bezirk Scampia. Sie treffen Zeitzeugen, die persönlich mit der Camorra zu tun hatten und begeben sich in eine eine direkte Auseinandersetzung mit diesen. Während dieser intensiven Woche haben die Jugendlichen die Aufgabe, ihre Erfahrungen in Kunst auszudrücken: Fotografie, Schreiben, Musik.

In der letzten Phase präsentieren die Jugendlichen dann ihre Werke und Geschichten der Öffentlichkeit in Bozen, an einem an dem auch Gäste teilnehmen, die den Stadtteil Scampia repräsentieren. So geben sie Ihre authentischen Erfahrungen an die Südtiroler Zivilgesellschaft weiter. Ein rundum gelungenes Projekt!

Wir als Mafia? Nein Danke! Wir werden im Dezember besprechen, wie wir zusammenarbeiten können und wie wir das Projekt an die deutsche Realität anpassen können. Die Entfernung zwischen München und Bozen ist geringer als die Entfernung zwischen München und Berlin, das sollte also kein Hindernis für die Zusammenarbeit sein. Jedoch ist unsere Arbeitsgruppe zum Thema Jugend/Erziehung/Legalität noch sehr klein und wir suchen Verstärkung in diesem Bereich. Jeder ist herzlich willkommen mitzumachen!