Mafia? Nein, Danke! schlägt Maßnahmen gegen Clan-Kriminalität in der Sitzung des Ausschusses für Inneres, Sicherheit und Ordnung des Berliner Abgeordnetenhauses vor


Nachdem am Rand eines beliebten Freizeitgeländes in Berlin, dem früheren Flughafen Tempelhof, ein  Mord im Clan-Umfeld verübt worden ist, befasste sich der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit Organisierter Kriminalität. Bei der Sitzung warb Mafia? Nein, Danke! für neue und innovative, präventiv wirksame Vorgehensweisen. Auch die ARD Tagesthemen berichteten über die Vorschläge. Diese werden seitdem auf breiter Ebene diskutiert und Mafia?Nein, Danke! arbeitet an der Umsetzung, mit dem Ziel, künftig die Gefährdung durch Clan-Strukturen zu reduzieren.

Der Verein wurde als Repräsentant der Zivilbevölkerung und als Experte zum Thema der organisierten Kriminalität eingeladen und konnte diesbezüglich über die Worte des Vorsitzenden Sandro Mattioli nur eine Verschlechterung der Lage in der deutschen Hauptstadt bestätigen. Reduziert man die Thematik ausschließlich auf den Aspekt der Kriminalität und blendet das Eindringen dieser Organisationen auf ökonomischer, sozialer und kultureller Ebene aus, so beschränkt sich der Kampf auf die einzelne Verursacher der Straftaten, ohne dass die Hintergründe vertieft und die wahre Realität verstanden wird. In diesem Sinne spielen präventive Maßnahmen eine grundlegende Rolle, die in jedem Bereich mit einem multidisziplinären Ansatz eingesetzt werden müssen. Mafia? Nein, Danke! Hat in diesem Zusammenhang fünf präventive Projekte vorgeschlagen, die in verschiedenen Bereichen agieren, um möglichst wirksame Ergebnisse bei der Bekämpfung des Phänomens zu erreichen. 

Die Beiträge waren sehr aufmerksam und interessant, sie betrafen viele Aspekte des Phänomens und besonders einige der von Mafia? Nein, Danke! vorgestellten, konkreten Vorschläge. Unter den zahlreichen Redebeiträgen wurden von Daniel Kretzschmar, dem Präsidenten des BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter), die strukturellen Schwierigkeiten dargestellt, die beim täglichen Kampf gegen die organisierte Kriminalität hinderlich sind: Nicht hilfreich sind das Fehlen und die stetige Rotation des Polzeipersonals, des weiteren wird ein spezialisierteres Personal mit einer zur Thematik passenden Ausbildung benötigt. Kretzschmar hob hervor, dass die Polizei sogar bereits eine enorme Datenmenge zum Thema der organisierten Kriminalität besäße, die jedoch nie bearbeitet worden sei: in dieser Hinsicht sind also nicht fehlende Informationen das Problem, sondern die Fähigkeiten, diese auszuwerten.

Martin Hikel, der Bürgermeister von Neukölln, hat in seinem Beitrag im Detail die aktuelle Situation seines Viertels vorgestellt: Hikel spricht von acht großen arabischen Clans, die 1000 Mitglieder haben. Eines der vom Bürgermeister hervorgerufenen Probleme ist die Zugehörigkeit von Jugendlichen zur organisierten Kriminalität: zu ersten Kontaktaufnahmen kommt es in den Shisha Bars, wo sich viele Jugendliche treffen, um Großfamilien auf wenig Raum zu entfliehen: hier beginnen sie jedoch auch, sich den Clans anzunähern. Der kriminelle Weg muss also für die Jugendlichen weniger interessant gemacht werden, die sich täglich in dieser Realität bewegen.

Hikel fügte in einem abschließenden Punkt hinzu, dass die Beschlagnahmung von illegalen Gütern effektiver gemacht werden konnte, als sie es bisher war.

Die Präsidentin des LKA Berlins, Barbara Slowik, hofft im Kampf gegen die organisierte Kriminalität auf eine Beschleunigung im Technikbereich und der Ermittlungen, und sie hat ein Interesse an den von Mafia? Nein, Danke! vorgestellten Projekten ausgedrückt – besonders ans denen, die Hilfe für Jugendliche und Frauen bieten und an der Möglichkeit, für diejenigen eine Hotline einzurichten, die von ihren Erfahrungen in der kriminellen Realität berichten wollen.

Bei den Parlamentariern rief das Projekt „Liberi di Scegliere“ besonderes Interesse hervor, eines der fünf Vorschläge von Mafia? Nein, Danke. Das vom Jugendgericht von Reggio Calabria umgesetzte Protokoll gibt Minderjährigen die Möglichkeit, sich von ihren Familien zu entfernen, die einen kriminellen Ursprung haben: Durch die Aufnahme in eine gemeinschaftliche Wirklichkeit oder Bildungseinrichtung bekommen die Jugendlichen die Chance, ein anderes Leben als das ihrer Herkunft zu entdecken und auszuprobieren. Es gab ein großes Interesse der an der Sitzung Teilnehmenden an diesem Projekt und es wurden detaillierte Nachfragen gestellt. Was am meisten faszinierte war die Umsetzung des Projektes, in welcher Form es möglich gemacht werden könne und wer die beteiligten Akteure seien: es kam auch auf, dass es zu dem Konzept der “Entfernung der Kinder von der kriminellen Familie“ noch zahlreiche Zweifel und Fragen gäbe, die aber durch den Verweis auf das offensichtliche Gelingen des Projektes in Italien gelöst werden können, und welches man nach einer achtsamen Analyse des Kontextes und der lokalen Akteure übertragen könnte.

Was bei der Auseinandersetzung während der Sitzung deutlich wurde, ist die Notwendigkeit, ein Definition des Konzeptes organisierte Kriminalität zu finden. Die Gefahr dabei, die arabischen Clans auf einfache Kriminalität zu reduzieren, ist nicht nur, das tatsächliche Phänomen falsch zu verstehen, sondern auch, dass keine wirksamen Mittel genutzt werden, um es zu bekämpfen.

Eine einheitliche Definition ist dementsprechend von grundlegender Wichtigkeit, um die wahre Realität zu verstehen und um gemeinsam gegen das Phänomen vorzugehen: was bei der Sitzung im Abgeordnetenhaus gefordert wurde, ist eine Kollaboration der vielen involvierten Einrichtungen – und eine solche Kollaboration ist, was benötigt wird, um Resultate zu erzielen. Doch wie vom Vorsitzenden von Mafia? Nein, danke! Betont wird, ist eine Kollaboration nur dann möglich, wenn sich der Fokus von der simplen Anwendung der Gesetze zu einer Perspektive der Vorbeugung des Phänomens verschiebt.