Anime nere (Schwarze Seelen) – ein Roman von Giocachhino Criaco


Es ist der erste Roman von Giocacchino Criaco, geboren in Africo, einem kleinen Dorf im kalabrischen Gebirge Aspromonte. Lange hat die deutschsprachige Ausgabe auf sich warten lassen. Acht Jahre nach der Veröffentlichung der Originalausgabe (2008) und zwei Jahre nach Erscheinen des gleichnamigen Films (2014), gibt es nun endlich eine deutsche Ausgabe von Anime nere, sie trägt den Titel „Schwarze Seelen“.

Giocacchino entdeckte seine Liebe zum Schreiben erst mit Anfang 40. Nach der Schule verließ er sein Heimatdorf und ging zum Studieren nach Bologna. Er wurde Anwalt und ließ sich in Mailand nieder. Doch mit 43 Jahren kehrte er zurück in das Dorf, aus dem er einst geflüchtet war. Fast in Trance setzte er sich an seinen Schreibtisch und fing an zu schreiben. Er habe gespürt, dass er die Wahrheit erzählen müsse, sagte er später. In nur vier Tagen entstand ein 200-seitiger Bestseller.

In dem Roman geht es um drei junge Männer, die scheinbar zu einem Protagonisten verschmelzen. Der Autor nennt sie die Söhne der Wälder „(…) immer zusammen, und wir hatten uns geschworen so würde es immer bleiben. Nichts würde uns je trennen.” Es ist der Beginn einer schwindelerregenden Geschichte, eine fiktive Geschichte wie Giocacchino Criaco betont. Er beschreibt das Leben in der kalabrischen Gesellschaft des Aspromonte mit einer Detailliertheit, wie es vermutlich nur jemand vermag, der in dem Herzen dieser Berge aufgewachsen ist und die archaischen Bräuche des Landes kennen gelernt hat. Es ist eine Gegend, die von Armut geprägt ist, wo es nahezu keine Hoffnung zu geben scheint und die Zeit gewissermaßen stehen geblieben ist: “Wer hier geboren wurde starb hier auch. Man starb aus zweierlei Gründen, aus Armut oder im Kugelhagel.” stellt einer der drei Protagonisten zu Beginn der Erzählung fest.

Aber in dem Roman geht es um viel mehr als die Lebensgeschichte dieser drei Männer, es geht um das Schicksal einer Generation. Gioacchino Criaco erzählt die Geschichte dieser Generation aus der Innenperspektive. Schatten nennt er sie, es sind Personen “die eine offene Rechnung mit dem Gesetz oder mit anderen Personen hatten.”. Eine Generation von Schatten, die sich verlassen und auf sich allein gestellt fühlt und deren einziger Ausweg aus diesem Leben voller organisierter Kriminalität, die organisierte Kriminalität selbst scheint.

Es beginnt mit kleinen Raubüberfällen, Geiselnahmen im Auftrag der Mafia, bewaffneten Überfällen im Alleingang bis hin zum großen Drogengeschäft in Mailand mit Kontakten in ganz Europa.

Eine vollkommen absurde Geschichte, ein Strudel der einen mitreißt und einem Einblick in eine Welt gibt, in der man lediglich zwischen schwarzen Seelen oder Kohlegeschwärzten unterscheidet – “Je nachdem , ob sie aller Voraussicht nach lebend davonkommen würden oder todgeweiht waren“.

Er gibt dem Übel eine Stimme. Eine Lektüre die Großes leistet und die einem dabei hilft zu verstehen, was es heißt, in einer solchen Gesellschaft aufzuwachsen und tagtäglich mit dem Bösen konfrontiert zu sein. Leichte Kost ist es gewiss nicht und soll es auch nicht sein.

LESUNG IN BERLIN
Mittwoch, 6. April 2016, 19 Uhr
Italienisches Kulturinstitut, Hildebrandstraße 2, 10785 Berlin
Moderation: Maike Albath

WEITERE TERMINE
Wolfsburg, 7. April 2016, Italienische Konsularagentur
München, 12. April 2016, Literaturhaus
Wien