Korruption hat Konjunktur


“Korruption hat Konjunktur” hieß es schon vor mehr als zehn Jahren. Heute gehen Schätzungen von einem volkswirtschaftlichen Schaden in Deutschland alleine von bis zu 250 Mrd. Euro aus. Aber nicht nur Deutschland werden große Nachteile aus korruptem Handeln bescheinigt. Veröffentlichungen des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF) zeigen, dass die erfassten Schäden in der Europäischen Union vor allem in Verbindung mit öffentlichen Auftragsvergaben in der Summe bei ca. 120 Mrd. Euro liegen sollen. Dabei ist Korruption ein weltweites Phänomen, das sowohl Industrienationen, als auch Entwicklungsländer betrifft. Der Schaden in Entwicklungsländern ist in diesem Zusammenhang kaum zu überschätzen, denn selbst in Anbetracht ihrer vergleichsweise kleinen volkswirtschaftlichen Gesamtleistung entfallen nach Schätzungen bis zu 750 Milliarden Euro Schäden auf diese Länder. 

Gleichzeitig fließen jedes Jahr fast 135 Mrd. Euro allein von den OECD­ Mitgliedsstaaten in die Entwicklungshilfe, um Analphabetismus, Arbeitslosigkeit, Hunger, und Krankheiten zu bekämpfen. Diese Zahlen zeigen, welche Bedeutung durch Korruption verursachte Schäden für die Entwicklung eines Landes und das Wohlergehen seiner Bürger haben können. Denn wenn durch Korruption in Deutschland verursachte Schäden fast doppelt so hoch liegen wie die gesamte Entwicklungshilfe der OECD­ Mitgliedsstaaten und sich ein nicht geringer Teil der wirtschaftlichen Situation von Entwicklungsstaaten durch den schädlichen Einfluss von Korruption erklären lässt, wird klar, dass es sich beim Thema Korruption um ein immens wichtiges Thema handelt.

Dabei ist alleine schon die Einigung auf eine einheitliche Definition des Begriffes Korruption schwierig. Welche Handlungen als korrupt eingeschätzt werden, ist je nach Standpunkt unterschiedlich. So kann es sein, dass juristisch nicht strafbares Verhalten von weiten Teilen der Bevölkerung als korrupt und moralisch verwerflich gesehen wird.

In Deutschland herrscht weitgehender Konsens, dass es sich bei der Korruption um eine Verletzung öffentlicher durch private Interessen, also als den Missbrauch öffentlicher Macht für den privaten Nutzen handelt. Nichtsdestotrotz darf nicht vergessen werden, dass auch in der Privatwirtschaft Korruption als Mittel genutzt wird, um sich Aufträge und Gewinne zu sichern, an Firmengeheimnisse zu gelangen oder sich Entscheider in Schlüsselpositionen fügsam zu machen. Die Formen, die Korruption annehmen kann sind vielfältig und reichen von der Bestechung von Amtsträgern, um sich kleinere Vorteile im Verwaltungsverfahren (wie z.B. eine schneller oder wohlwollende Bearbeitung eines Antrages) zu verschaffen, bis hin zu der Bestechung von Entscheidungsträgern, um große Ausschreibungen, bei denen es um Millionen oder Milliarden Euro geht zu sichern. Die Wahrnehmung des Problems hängt auch damit zusammen, welche Formen von Korruption in einem Land häufig vorkommen. Während Bestechungen gegenüber Polizeibeamten oder kleinen Verwaltungsangestellten in Deutschland und weiten Teilen der EU vergleichsweise selten sind, führen gerade in diesen wirtschaftsstarken Ländern hohe öffentliche Ausgaben für Infrastruktur oder Bauvorhaben zu einer Form von Korruption, die einfachen Bürgern häufig verborgen bleibt. Hier fließen hohe Beträge im Gegenzug für die Vergabe lukrativer öffentlicher Aufträge und hier setzt auch die Organisierte Kriminalität an.

Nur so können kriminelle Gruppen zu überhöhten Preisen trotzdem an öffentliche Aufträge gelangen, obwohl legale Wettbewerber günstigere Angebote und bessere Qualität bieten. Gerade in Gegenden, in denen öffentliche Aufträge häufig von korrupten Politikern und Beamten vergeben werden, zeigt sich der verheerende Einfluss von Korruption auf die wirtschaftliche Entwicklung und das politische System. Nicht nur werden unnötige Ausgaben für den steuerfinanzierten öffentlichen Haushalt verursacht, die Wettbewerbsfähigkeit von lokalen Firmen verhindert und der Ruf als Wirtschaftsstandort für Investoren geschädigt. Zu unterschätzt werden sollte auch nicht der entstehende Vertrauensverlust in politische Institutionen und die Funktion von Korruption als Türöffner und Einfallstor für kriminelle Gruppen wie die Mafia.