Bericht zur Jahreshauptversammlung


Am 7. Mai traf sich der Verein Mafia? Nein, Danke! zu seiner Jahreshauptversammlung in Berlin. Im Mittelpunkt stand die Anpassung der Struktur des Vereins an die immer mehr werdenden Aufgaben und eine Professionalisierung. Am Ende einer ausführlichen Diskussion stand eine bedeutende Änderung: Der Vorstand des Vereins bleibt unverändert, allerdings ergänzen zukünftig eine operative und eine strategische Geschäftsführung die Struktur.

Anwesend: 12 Mitglieder

Der Vorsitzend Sandro Mattioli stellt den Jahresbricht 2017 vor:

  • Die Antimafia Konferenz vom 12. Juli 2017 :
    • Dank der Konferenz hat das Verein eine maximale Wirkung erreicht.
    • Die Zusammenarbeit mit EBD war gut aber wegen neu besetzter Stellen nicht ganz frei von Komplikationen
    • Unterstützung der Gastronomen war nicht so stark, auch weil verspätet angefragt.
    • Die Unterstützung von Susanna Schlein und der italienischen Botschaft war sehr hilfreich und hat die Absage des Raums in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen mehr als kompensiert.
    • Leider haben wir im Anschluss keine stabile und kontinuierliche finanzielle Unterstützung gefunden.  Für die Konferenz aber erfreuliches Spendenaufkommen.
  • Erstes Ehrenmitglied (Willkommen Lia!)
  • Sensibilisierung bei Bevölkerung und Medienberichterstattung sind besser und intensiver geworden, auch Mafia? Nein, Danke! häufig Gegenstand von Berichterstattung in Radio, TV und Printmedien.
  • Dank an die scheidenden Freiwilligendienstleistenden Verdiana Zendri und Valentina Butera für die gute und fleißige Arbeit im letzten Jahr und willkommen den neuen EVSlerinnen Sara Daini und Vania Facchinelli
  • Rückblick auf die Kampagne gegen Mafia-Stereotype in Januar in der Landeszentrale für politische Bildung, Berlin
  • Wir konnten neue, interessante und für uns wichtige Mitglieder im Jahr 2017 gewinnen
  • Einige Treffen mit hochrangigen Politikern und Bundestagsabgeordneten, hochwertige politische Arbeit von MND
  • Nächstes Jahr feiern wir zehn Jahre Mafia? Nein, Danke. Planung für Veranstaltung sollte zügig beginnen, auch um Finanzierung sicherzustellen. Idee: Ein Verzahnungs-Treffen europaweit von Initiativen, die gegen OK und Mafia, für Transparenz im Finanzsektor und gegen Korruption aktiv sind
  • Vorstellung der kommenden Termine von Giulia Norberti, zukünftig Geschäftsführerin von MND,  und Sandro Mattioli, Vorsitzender
  • Bericht über Projekte, für die Förderanträge gestellt worden sind

Kassenbericht von Max-Oliver Schmidt

Diskussion einer möglichen Satzungs-Änderung. In einer weiteren Versammlung soll die Satzung von MND dahingehend verändert werden, dass wir stets handlungsbereit sind. Problem bisher: Vorstand nicht kurzfristig zu erreichen. Ergebnis: Einführung zweier Figuren, „strategische Geschäftsführung“  und „operative Geschäftsführung“, soll in nächster Sitzung beschlossen werden. Für Laura Garavini ist es wichtig, den derzeitigen Vorstand zu halten und nicht auszutauschen.

Unser Notar ist leider gestorben, wir müssen Kontakt zu einem neuen Notar aufnehmen

Verabschiedung

Angela Iantosca in Berlin


Die Journalistin und Autorin Angela Iantosca hat am 25. Mai ihr neues Buch „Eine feine weiße Linie. Von den Drogenumschlagplätzen zur Gemeinde San Patrignano“ (Perrone Verlag) in der Berliner Buchhandlung Mondolibro vorgestellt. Es berichtet von einer Drogenhilfe-Einrichtung mit hohen Erfolgsquoten und einem ungewöhnlichen Vorgehen.

In diesem Buch wechseln Zahlen zum Drogenkonsum und Drogenhandel mit den Geschichten von fünfzehn jungen Leuten ab, die abhängig waren und die nach einer langen Zeit der Entfremdung und der inneren Leere beschlossen haben, einen Weg einzuschlagen, wie er in der Gemeinde San Patrignano vorgesehen ist. In der Gemeinde in der Umgebung von Rimini ist ein wichtiges Zentrum für die Wiedereingliederung von Drogenabhängigen ansässig, das in diesem Jahr seit vierzig Jahren besteht. Iantosca beschreibt in ihrem Buch, was mit Hilfesuchenden dort passiert.

Die Geschichten des Buchs sind Geschichten von leeren Räumen, die gefüllt werden müssten, Geschichten eines tiefen Leids, von im Grund schmerzhaften Zuständen, wie sie jeder kennt. Diese bilden die Basis aller Lebensgeschichten, denen im Buch Ausdruck verliehen wird. Die Berichte der jungen Leuten liefern einen Querschnitt durch die italienische Gesellschaft, und zwar in geographischem und sozialen Sinne, und sie erlauben zu verstehen, weshalb das Phänomen Drogenmissbrauch alle Gesellschaftsschichten ergriffen hat und wie sich der erste Kontakt mit den Drogen verändert: Im Vergleich zu früher hat nämlich der Konsum von mehreren Drogen gleichzeitig zugenommen. Also der Konsum aller Arten von Betäubungsmitteln ohne Unterschied. Gleichzeitig wächst die Zahl von Todesfällen durch eine Überdosis Heroin. Eine weitere Gefahr sind die neuen psychoaktiven Substanzen, die man sich im Dark Web besorgen kann: Für einige dieser neuen Betäubungsmittel gibt es noch keine Behandlungsmöglichkeiten und einige von ihnen haben sogar Auswirkungen auf die Psyche, die nicht mehr heilbar sind.

Entscheidend ist die Rolle der Familie, wenn man den Weg der jungen Leute in der Einrichtung verstehen will: Die Erzählungen der jungen Leute werden von ihren Familien begleitet, ihr Weg, sich in der Gemeinde mit ihren Problemen auseinanderzusetzen, verläuft parallel zu dem, den ihre Familien gehen. Ein Bewusstwerdungsprozess auf beiden Seiten, bei den jungen Leuten und bei ihren Familien, ist die Grundvoraussetzung für den Beginn einer ernsthaften Arbeit: sich mit sich selber auseinanderzusetzen und Verständnis zu entwickeln für die Probleme, die sie bis an diese Stelle gebracht haben.

San Patrignano kann bis zu 1300 Personen aufnehmen:  Laut Statistik sind es in der Mehrheit Jungen und junge Männer, die sich an die Einrichtung wenden. In letzter Zeit registriert die Leitung der Einrichtung aber eine größer werdende Zahl von Mädchen und jungen Frauen. Der Weg, der von jedem Einzelnen dort beschritten wird, ist lang und mühselig. Der Aufenthalt in der Einrichtung dauert mindestens 3 Jahre, und erst nach anderthalb Jahren beginnen die jungen Leute eine Besserung wahrzunehmen und wirklich zu begreifen, wer sie sind. In der Mehrzahl bleiben diejenigen, die die Kur begonnen haben auch bis zum Schluss (Erfolgsquote 70%). Die Regeln in der Einrichtung sind streng: Handynutzung ist nicht erlaubt, Nachrichten dürfen nur in der Form von Aufzeichnungen angesehen werden, und zwar mehrere Stunden nach ihrer Ausstrahlung, mit der Außenwelt darf nur über Papier und Stift kommuniziert werden. Das oberste Ziel in der Gemeinde ist, sich selber zu kennen und zu lernen, wie man sich um sich selbst kümmert. Zu diesem Zweck wird jedem ein Tutor zugeteilt, das sind Ältere, die ihre Kur hinter sich haben und die alle typischen psychologischen Vorgänge verstehen können.

Aber wie finanziert sich diese Einrichtung, so dass sie alle Dienstleistungen garantieren kann? Zu 50 % ist sie selbst finanziert, die anderen 50 % sind Spenden von Privatleuten. Sie besteht aus einzelnen Bereichen, in denen die jungen Leute täglich arbeiten und die dazu beitragen, das Zentrum funktionsfähig zu halten. Die Produkte werden im Restaurant-Pizzeria Lo Spaccio verkauft, in dem auch ein Laden eingerichtet ist. Finanzierungen erfolgen außerdem über das System der „solidarischen SMS“ und über die Arbeit in Schulen.

Während der Buchvorstellung war auch Zeit, um über den Zusammenhang zwischen Mafia (vor allem der `ndrangheta) und Drogenhandel zu sprechen. Diese beiden Themen haben eine enge Verbindung: 70% des Handels mit Kokain sind in der Hand der `ndrangheta, die mit der albanischen Mafia und anderen kriminellen Organisationen zusammenarbeitet. Das Heroin kommt aus Afghanistan, den Handel damit treiben Albaner und Türken, in Albanien selber nimmt inzwischen der Anbau von Marihuana deutlich zu.

Wer ist Angela Iantosca?

Seit 2017 leitet sie die Monatszeitschrift Aqua e Sapone. Sie hat im Laufe ihrer Karriere bei verschiedenen Presseorganen gearbeitet, darunter Donna moderna  und il fatto quotidiano. Als Reporterin von la vita in diretta (RAIUno) und L’aria che tira (La7) beschäftigt sie sich schon seit Jahren mit dem Thema Mafia. 2013 hat sie ihr erstes Sachbuch veröffentlicht Onora la madre – storie di ‚`ndrangheta al femminile (Rubbettino Verlag). Nach den Frauen hat sie sich 2015 den Kindern gewidmet Bambini a metà – i figli della `ndrangheta (Perrone Verlag). Iantosca verfolgt jedoch weitere Projekte in verschiedenen Bereichen, darunter das Projekt Ti leggo, das ihr seit November 2017 erlaubt, zusammen mit Mitarbeitern der Enzyklopädie Treccani durch italienische Schulen zu reisen, um mit Schülern über Journalismus zu sprechen.

Die Rolle der Zivilgesellschaft im Kampf gegen die Mafia: Antimafia auf Ideenfindung


„Mafia? Nein, Danke!“ war in den Reihen der europäischen Libera-Delegation bei der vierten Auflage der Konferenz „Contromafie“ dabei, dieses Jahr unter dem Titel „Contromafiecorruzione“ („Gegen Mafien und Korruption“, Anm.d.Ü.); die Initiative fand vom 2. bis 4. Februar 2018 in Rom statt und brachte Vertreter regionaler Antimafia-Grupen aus ganz Italien an einen Tisch mit den europäischen und lateinamerikanischen Delegationen. Das Ziel war, gemeinsam über Legalität sowie über den Kampf gegen Mafia und Korruption zu sprechen. Mit dem langen Zungenbrechertitel sollte die immer engere Verbindung zwischen mafiösen Machenschaften und Bestechung hervorgehoben werden – ein Phänomen, das auch als „die Hand, die in weißen Handschuhen würgt“ bekannt wurde. Der rote Faden, der sich durch die drei Tage zog, war die aktive und konstruktive Rolle der Zivilgesellschaft; zum Abschluss wurden konkrete und nachhaltige Vorschläge präsentiert, um das System aus Mafia und Korruption in verschiedenen Feldern zu bekämpfen.

Besonders ein Seminar über die internationale SIchtweise auf organisierte Kriminalität stellte sich als interessant für die Arbeit unseres Vereins heraus; unter den Rednern befand sich auch Claudio Clemente, seit 2013 Direktor der italienischen „Unità di Informazione Finanziaria“ (UIF).

Warum der Tatort „Kopper“ für uns ein ganz besonderer ist


Es ist ein glücklicher Zufall, der dazu führte das jetzt, an diesem Sonntag, in einem Tatort das Thema Mafia behandelt wird, und an diesem glücklichen Zufall ist Mafia? Nein, Danke! nicht unbeteiligt. Eines unserer Mitglieder ist gut bekannt mit Eva Mattes, der Schauspielerin, die die Kommissarin Klara Blum im Bodensee Tatort verkörpert hat. Da die Bodenseeregion sehr stark Mafia verseucht ist, haben wir uns gewundert, dass dies in einem Tatort bisher keine Rolle spielte. Unser Mitglied forderte daher Eva Mattes auf, doch einmal einen Mafia-Tatort anzuregen. Eines Tages erreichte uns eine E-Mail. Der Drehbuchautor Patrick Brunken schrieb uns und fragte, ob ein Informationsaustausch möglich wäre, er sei von der Redaktion des SWR beauftragt worden, einen Mafia-Tatort zu entwickeln. Manchmal sind wir bei solchen Anfragen skeptisch, weil die Mafia oft klischeehaft dargestellt wird oder verharmlosend. Bei Patrick Brunken merkten wir aber schnell, dass er sich in der Materie bereits sehr gut auskennt. Außerdem hatten wir den Tatort Wegwerfmädchen gesehen, den er geschrieben hatte und der uns gefiel. In der Folge tauschten wir uns häufiger aus, und unsere Anregungen sind in den Tatort, den sie und ihr diesen Sonntag ansehen könnt, eingeflossen – nicht nur der Name des eines Hauptdarstellers geht auf uns zurück. Losgelöst davon, dass diese Tatort-Folge zu einer der gelungeneren gehört, freuen wir uns auch, dass Mafiosi darin ziemlich realistisch dargestellt sind. Wer sich in der Thematik auskennt, erkennt zahlreiche Anspielungen auf reale Gegebenheiten. Wir hoffen, dass diese Folge Rekord-Zuschauerzahlen holt, vor allem aber, dass ihr weitere ernstzunehmende Mafi-Darstellungen im deutschen  Film folgen. Viel Spaß und Mario Kopper alias Andreas Hoppe für die Zukunft alles Gute!

III. Veranstaltung von „Libera Contro le Mafie in Europa“ in Gent, Belgien: Konfiszierung und Korruption sind die behandelten Themen


Nach Paris und Berlin hat sich Anfang Dezember das Netz der Vereine, die auf europäischer Ebene mit Libera zusammenarbeiten, zum dritten Mal in Gent getroffen. Dieses Netzwerk wurde dieses mal von 20 Aktivisten aus Belgien, Schweiz, Deutschland, Frankreich und Großbritannien gebildet. Drei Tage, in denen wir über das Projekt „Freie Ideen in Europa“ und über die Themenschwerpunkte für 2018 diskutierten. Während des Treffens sprachen auch der Staatsanwalt Alberto Perduca, der über die Möglichkeiten der Beschlagnahmung informierte und Alberto Vannucci, Ordenlicher Professor an der Fakultät für Politische Wissenschaften der Universität Pisa, Experte für Organisierte Kriminalität und politisch-verwaltungsmäßige Korruption.

Zu den wirksamsten „Antimafia-„Mitteln wird einerseits das allgemeine Bewusstsein des Phänomens der Korruption gezählt, dennnaturgemäß ist der Gegenstand, den wir kennenlernen und bekämpfen möchten, unsichtbar (vor allem, wenn er effektiv ist) – und andererseits der Zugriff auf illegale Vermögen mittels Beschlagnahme und anschließender Konfiszierung. Beide sind Schlüsselelemente im Widerstand gegen das organisierte Verbrechen. Die Erkenntnis darüber ist in den letzten Jahren auch auf europäischer Ebene gestiegen. Das beweisen zahlreiche Gesetzesmaßnahmen, vor allem die europäische Richtlinie 2014/42 bezüglich des Einfrierens und Konfiszierens materieller Güter und der Erträge aus Vergehen innerhalb der EU. Betrachtet man allerdings die unterschiedlichen Enteignungs-Typologien, die in die Richtlinie eingeflossen sind, bleibt ein großes Fragezeichen. Noch unklar ist die Nutzung der vorbeugenden Konfiszierung – in einigen Fällen durch gute grenzübergreifende Zusammenarbeit überbrückt – und der sozialen Wiederverwendung der der Mafia beschlagnahmten Vermögen.

Anti-Mafia-Gespräche

Zum Abschluß des Anti-Mafia-Wochenendes haben wir an einer öffentlichen Tagung mit dem Titel „Anti-Mafia Talks“ teilgenommen (ca. 350 Teilnehmer), angeregt vom Kunstzentrum Vooruit, Libera Internazionale und Antico Sapore mit der Teilnahme von Don Luigi Ciotti, den die belgische Journalistin Ine Roox interviewte. Es folgte das Theaterstück „Mafia Liquida“ [„flüssige Mafia“], ausgeführt von der Theatergruppe von Cinemovel (link): eine Leuchttafel, ein digitaler Projektor und Musik wurden als Instrumente eingesetzt, alltägliche Geschichten mafiöser Gewalt zu vermitteln. Salvatore di Rosa und Mario Portanova, Ermittlungsjournalisten aus Belgien bzw. Italien und Giulia Baruzzo von Libera Internazionale beschlossen die drei Tage mit einem Bericht über die fortgesetzte Verbreitung der Mafia außerhalb Italiens. Es wird also immer aktueller und notwendiger, auf ein Europa zu hoffen, das sich immer stärker gegen die organisierte Kriminalität engagiert. In unserem kleinen Rahmen möchten wir ein gemeinsames Projekt der gesellschaftlichen Antimafia auf europäischer Ebene anregen.

Antimafia-Konferenz 2017: Wir sind überwältigt…


… von der Reaktion auf unsere Antimafia-Konferenz in der Italienischen Botschaft: Mehr als 90 Medienschaffende waren akkreditiert, zwölf Kamerateams vor Ort, Berichterstattungen erfolgten in vielen TV-Sendern und Printmedien! Dazu klappte alles wie am Schnürchen, alle Gäste konnten kommen (trotz eines Flugausfalls) und einer unserer prominentesten Gäste, Bundesinnenminister Thomas De Maizière, kam nicht mit leeren Händen, sondern mit zwei vor wenigen Tagen in Kraft getretenen Gesetzen im Gepäck: Zum einen soll das „Gesetz zur Umsetzung des Rahmenbeschlusses zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität“ künftig die Mitgliedschaft in mafiösen Gruppen unter Strafe stellen, weil es den Tatbestand der kriminellen Vereinigung neu fasst (Deutschland setzt hier den europäischen Rahmenbeschluss zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität vom Jahr 2008 besser um). Die von vielen Ermittlern erhoffte Beweislastumkehr (Kriminelle müssen die einwandfreie Herkunft ihres Kapitals darlegen) gibt es zwar in Deutschland nicht, aber De Maizière wies, zum zweiten, auf die ebenfalls seit 1. Juli 2017 geltende Beweislasterleichterung hin. Wir werden analysieren, inwiefern es sich dabei um ein für den Kampf gegen die Organisierte Kirminalität taugliches Instrument handelt.

Überrascht waren wir von den konträren Positionen, die auf unserer Konferenz vertreten wurden. Ein beispiel: Peter Henzler, Vizepräsident beim BKA, konstatierte nur kleine Lücken in der deutschen Anti-Geldwäsche-Gesetzgebung; Giuseppe lombardo, Staatsanwalt aus Reggio Calabria, sagte, die ’ndrangheta brauche kein Geld in Koffer packen und es nach Deutschland bringen, um es zu waschen, denn sie hat Banken. 

In den kommenden Wochen werden wir die Konferenz aufbereiten und die Erkenntnisse veröffentlichen. Bis dahin möchten wir Sie zum einen auf die Zusammenfassung durch unseren Projektpartner, die Europäische Bewegung Deutschland, verweisen. Die Rede von Bundesinnenminister Thomas De Maizière ist auf der Homepage des Ministeriums veröffentlicht worden. 

Wir möchten an dieser Stelle unseren Partnern – der Botschaft der Republik Italien in Berlin und der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. danken, sowie unseren Sponsoren, allen voran Barbera Caffè Deutschland, die uns und unsere Gäste mit köstlichem Espresso und Cappuccino verköstigte, die Bar I cento passi und den Espressomaschinenhändler Caffè Sant Angelo.

Satzungsänderung


In der gestrigen Jahreshauptversammlung hat der Verein Mafia? Nein, Danke! e.V. zwei Satzungsänderungen beschlossen: Zum einen wurde nun die Möglichkeit einer institutionellen Mitgliedschaft geschaffen, so dass Unternehmen, Institutionen und Vereine, die den Vereinszweck unterstützen, Mitglied werden können. Außerdem wird der Verein einen wissenschaftlichen Beirat einführen.

Neue Telefonnummer


Die Rufnummer von Mafia? Nein, Danke! hat sich geändert: Neben der Festnetznummer
+49 – 30 -25 90 06 13
gilt nun auch eine neue Mobilnummer
+49 – 157 – 31 79 78 21.

Der 21. März: In Berlin wurde der unschuldigen Mafiaopfer gedacht


Jedes Jahr am 21. März ist der Gedenktag für die unschuldigen Opfer der Mafia. Dieses Jahr wurde der Gedenktag zum ersten Mal auch in Berlin begangen. Austragungsort war das Brandenburger Tor, das wohl bekannteste Symbol der Stadt. Die Teilnehmer haben sich nach Aufrufen aus Italien und zahlreichen anderen europäischen Ländern versammelt, um den unschuldigen Opfern der Mafia zu gedenken. Ein starkes Signal aus Europa und für Europa, das sich endlich auch außerhalb der Grenzen Italiens vernetzt im Kampf gegen die Mafia zeigt. Eine Antimafia-Bewegung, die immer mehr international aufgestellt ist, um gegen ein Phänomen anzugehen, das seit Jahrzehnten international organisiert ist.

Die Initiative wurde vom Verein Mafia? Nein, danke! e.V.  organisiert, der mit der italienischen Antimafia-Vereinigung Libera bereits bei zahlreichen Projekten und Veranstaltungen zusammengearbeitet hat. Nach einer kurzen Einführungsrede wurden die Namen der Mafiaopfer abwechselnd von Deutschen und Italienern in beiden Sprachen verlesen. Der zentrale Austragungsort der Veranstaltung sorgte dafür, dass viele Passanten neugierig stehen blieben und nach näheren Informationen fragten – darunter auch ein paar quirlige italienische Schulgruppen, die sich auf Klassenfahrt in der deutschen Hauptstadt befanden.

Das Verlesen der Namen war bewegend und sehr ergreifend: Der Fluss an Namen wurde nur durch das gelegentliche Erzählen der Lebensgeschichte einiger der Opfer unterbrochen. Wie zum Beispiel der von Giuseppe Letizia, der 1983 mit nur 13 Jahren getötet wurde, weil er als Zeuge des Mordes von Placido Rizzotto unbequem war; oder Francesco Imposimato, der von der Mafia 1983 ermordet wurde, um seinen großen Bruder – einen Richter – einzuschüchtern. Oder Lea Garofalo, eine mutige Frau, die von Ihrem ehemaligen Lebensgefährten (von dem Sie auch ein Kind hatte! ) getötet wurde, weil Sie zur „pentita“, Kronzeugin, gegen die ‘Ndrangheta geworden war.

Die Veranstaltung wurde von der italienischen Botschaft in Berlin unterstützt. Auch der italienische Fernsehsender RAI war vor Ort und drehte einige kurze Videos, die in den Nachrichten gezeigt wurden. Weitere lokale Medien waren anwesend. Besonderer Dank gilt auch Berlino Magazine, Il Mitte, Berlin 24 Network, dem Blog Italiani a Berlino und Radio Colonia, die die Veranstaltung vorab bekannt gemacht haben.

Dieses Jahr wurde von der italienischen Abgeordnetenkammer außerdem endlich grünes Licht dafür gegeben, den 21. März offiziell zum Gedenktag für die unschuldigen Opfer der Mafia zu ernennen. Auf Initiative von Libera und Avviso Pubblico wird der Tag bereits seit 1996 jährlich gemeinsam mit den Hinterbliebenen der Opfer begangen.

Gedenken der unschuldigen Opfer der Mafia am 21. März


Am 21. März 2017 wird der Gedenktag für die unschuldigen Opfer der Mafia zum 22. Mal begangen. Wie in jedem Jahr findet er zum Frühlingsanfang statt, dem Symbol der Wiedergeburt, des Neuen, des Erwachens. An diesem Tag treffen sich hunderte Angehöriger unschuldiger Mafiaopfer an vielen Orten in Italien, Europa und Lateinamerika, um gemeinsam der Toten zu gedenken, aber auch aus einem Verantwortungsgefühl heraus, sich gegen die Mafia zu engagieren. Unterstützt wird diese Veranstaltung der italienischen Antimafia-Organisation Libera von Avviso Pubblico, einem Netzwerk, das Verwaltungsangestellten im Kampf gegen die Mafia beisteht, dem Fernsehkanal RAI, lokalen Organisationen und Unternehmen, Schulen, Bürgerinnen und Bürger und Kirchengemeinden. In Deutschland übernimmt der Verein Mafia? Nein, Danke! die Ausrichtung der zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin am Brandenburger Tor. Die Hauptveranstaltung in Italien findet im kalabrischen Locri statt: Dort werden alle bekannten Namen von unschuldigen Mafiaopfern seit 1893 vorgelesen.